Argentinien feiert WM-Halbfinalsieg mit politischem Plakat und riskiert FIFA-Ärger

Argentinien feiert WM-Halbfinalsieg mit politischem Plakat und riskiert FIFA-Ärger

Nach dem WM-Halbfinale zwischen England und Argentinien in Atlanta, Georgia, feierten die argentinischen Spieler ihren 2:1-Sieg mit einem politischen Plakat, das die Aufschrift „Las Malvinas son argentinas“ trug. Dieser Spruch, der auf Deutsch „Die Malwinen sind argentinisch“ bedeutet, bezieht sich auf den Anspruch Argentiniens auf die Falklandinseln, die in Argentinien als Islas Malvinas bekannt sind. Die Aktion könnte für das argentinische Team Konsequenzen seitens des Weltfußballverbands FIFA haben, da politische Botschaften von Spielern und Offiziellen rund um WM-Spiele verboten sind.

Der Konflikt um die Falklandinseln, der vor 44 Jahren zu einem 74-tägigen Krieg zwischen Argentinien und dem Vereinigten Königreich führte, ist in Argentinien bis heute emotional besetzt. Obwohl die Inseln seit 1833 britisches Überseegebiet sind und die Bewohner sich in Referenden stets für die Zugehörigkeit zu Großbritannien entschieden haben, betrachtet Argentinien die Inseln weiterhin als eigenes Territorium. Der Krieg von 1982, bei dem rund 1.000 Soldaten starben, prägt das nationale Bewusstsein.

Politische Spannungen vor und nach dem Spiel

Bereits vor dem Halbfinale hatte Argentiniens Vizepräsidentin Victoria Villarruel, deren Vater im Falklandkrieg kämpfte, auf X (ehemals Twitter) Stimmung gegen England gemacht. Sie bezeichnete die Engländer als „eindringende Piraten“ und betonte, dass es sich nicht um ein gewöhnliches Spiel handele. Nach dem Sieg dankte sie den Torschützen und dem gesamten Team mit einem Soldaten-Video und wiederholte ihre kritischen Äußerungen gegenüber England.

Der argentinische Trainer Lionel Scaloni hatte vor dem Spiel versucht, das Thema aus der Mannschaft herauszuhalten, um keine zusätzliche Brisanz zu schaffen. Auch Argentiniens Präsident Javier Milei schlug nach dem Spiel versöhnlichere Töne an und betonte, dass Fußball und der Falklandkonflikt nicht vermischt werden sollten. Er sprach sich für diplomatische Lösungen aus, anstatt „billige patriotische Gesten“ zu zeigen.

Die Spieler Giovani Lo Celso und Lisandro Martínez hielten das umstrittene Banner in den Händen. Leandro Paredes, ein weiterer Nationalspieler, äußerte, dass sich das Team der Bedeutung des Spiels für das Land bewusst gewesen sei und versucht habe, das Land und all jene zu repräsentieren, die diesen „traurigen Moment unserer Geschichte“ miterlebt haben.

Mögliche Konsequenzen durch die FIFA

Die FIFA verbietet politische Botschaften bei WM-Spielen. In der Vergangenheit wurden ähnliche Vorfälle mit Geldstrafen geahndet. So mussten beispielsweise Schweizer Spieler bei der WM 2018 Geldstrafen zahlen, weil sie eine als politisch interpretierte Geste gezeigt hatten. Für den argentinischen Verband könnten durch das Zeigen des Plakats massive Geldstrafen drohen. Auch individuelle Sperren für das Finale sind möglich, insbesondere für Spieler wie Lisandro Martínez, der als Stammspieler gilt.

Die FIFA steht in diesem Turnier bereits unter genauer Beobachtung und ist mit Vorwürfen konfrontiert, eine vermeintliche Vorzugsbehandlung für Argentinien und Lionel Messi zu zeigen. Der ägyptische Trainer Hossam Hassan sprach offen von Manipulation, um Argentinien im Turnier zu halten, konnte jedoch keine Beweise vorlegen. Die Reaktionen der FIFA auf das Banner werden daher genau beobachtet werden, um die Glaubwürdigkeit des Verbandes zu wahren.

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Dieses Plakat hat eine eindeutige Botschaft: Argentinien beansprucht die Falkland-Inseln für sich.(Foto Credit: n-tv.de

Die Erinnerung an den Falklandkrieg ist in Argentinien tief verankert, und der Vorfall zeigt, wie sehr die Geschichte das Sportgeschehen beeinflussen kann. Die US-Behörden hatten das Halbfinale im Vorfeld als Hochrisikoereignis eingestuft und über 1.600 Einsatzkräfte rund um das Stadion eingesetzt, um Ausschreitungen oder politische Provokationen zu verhindern.

Im Jahr 2014 wurde der argentinische Verband bereits mit einer Strafe von 30.000 Schweizer Franken belegt, weil Spieler bei einem Freundschaftsspiel gegen Slowenien ein ähnliches Banner gezeigt hatten.

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Source: bild.de

Jonas Keller

Sportredakteur mit Schwerpunkt Fußball und internationale Wettbewerbe.