Die Entscheidung, die Sperre von Folarin Balogun nach seiner Roten Karte auszusetzen, sorgt weiterhin für Diskussionen in der Fußballwelt. Ein Bericht der englischen „Times“ legt nahe, dass diese Entscheidung nicht vom gesamten 18-köpfigen FIFA-Disziplinarkomitee getroffen wurde. Stattdessen soll der Vorsitzende Mohammad al-Kamali aus den Vereinigten Arabischen Emiraten die Entscheidung alleine gefällt haben.
Es ist selten, dass alle 18 Mitglieder des Komitees gemeinsam eine Entscheidung treffen. Üblicherweise werden solche Fälle von einem Gremium mit mehreren Mitgliedern behandelt. Die Vermutung, dass es sich in diesem Fall um eine Einzelentscheidung handelte, wirft weitere Fragen auf.
Die FIFA hat bisher keine vollständige, schriftliche und begründete Einzelfallentscheidung des Disziplinarkomitees veröffentlicht. Stattdessen gab es lediglich eine allgemeine Erklärung zum rechtlichen Vorgehen.
Diskussionen um Einflussnahme und Schiedsrichter
FIFA-Präsident Gianni Infantino hatte ein Gespräch mit dem ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump bestätigt. Er betonte jedoch, dass ausschließlich die unabhängigen Justizorgane der FIFA über den Fall entschieden hätten. Der Bericht der „Times“ lässt nun Zweifel an dieser Darstellung aufkommen.
Der Fall Balogun und die Aufhebung seiner Sperre haben auch die Rolle der Schiedsrichter in den Fokus gerückt. Der langjährige FIFA-Referee und TV-Experte Patrick Ittrich äußerte in der TV-Sendung „Doppelpass“ von Sport1 Bedenken hinsichtlich des Vertrauensverlusts, der durch den Fall entstanden sei. Er befürchtet, dass dieser Vertrauensverlust das Turnier und die kommenden Jahre prägen könnte.
Folarin Balogun hatte im Sechzehntelfinale der Fußball-WM gegen Bosnien-Herzegowina eine Rote Karte erhalten. Dies hätte eine Sperre für das Achtelfinalspiel gegen Belgien zur Folge gehabt. Die FIFA hob die Sperre jedoch überraschend wieder auf. Zuvor hatte Donald Trump nach eigenen Angaben bei Gianni Infantino angerufen und um eine Überprüfung der Sperre gebeten. Die FIFA und Infantino selbst versuchten daraufhin, den Vorfall der versuchten Einflussnahme durch Trump herunterzuspielen.
Ittrich äußerte sich auch zur Situation des brasilianischen Schiedsrichters Raphael Claus, der nach diesem Vorfall „für sein Leben lang angegriffen“ sei. Er sei von Trump „öffentlich diskreditiert“ worden und werde möglicherweise kein Spiel mehr pfeifen. Tage nach dem Vorfall hatte der FIFA-Beauftragte des Weißen Hauses, Andrew Giuliani, Zweifel an der Seriosität von Claus gesät. Giuliani fand es „höchst verdächtig“, dass gegen Claus im Jahr 2024 bereits wegen falscher Roter Karten und Spielmanipulation ermittelt worden sei, wie der „Guardian“ berichtete.
Auf den Einwand eines Reporters, Claus sei bei den Ermittlungen in Brasilien lediglich als Zeuge geladen und nicht selbst beschuldigt worden, entgegnete Giuliani, dass ihm keine Vergehen vorgeworfen wurden, die Situation mit den damaligen Ermittlungen aber vergleichbar sei. Zuvor hatte bereits Trump angemerkt, der brasilianische Schiedsrichter sei „etwas verdächtig“, wenn man sich seine Vergangenheit ansehe, ohne dies näher auszuführen.
Ein weiterer Kritikpunkt für Ittrich ist, dass Felix Zwayer nach der Gruppenphase kein weiteres Spiel mehr gepfiffen hat, ohne dass der Grund dafür bekannt ist. Er empfindet dies als merkwürdig. Die Eingriffe der FIFA und im Fall Balogun sogar des US-Präsidenten würden „auf dem Rücken der Schiedsrichter ausgetragen“, so Ittrich.
Infantinos umstrittenes System
Die Art und Weise, wie Gianni Infantino die FIFA zu einer „Geldmaschine“ gemacht hat, steht ebenfalls in der Kritik. Der FIFA-Präsident, der einst als Krisenmanager galt, ist zu einem der umstrittensten Funktionäre im Weltsport geworden.
Bei einer Veranstaltung der UN-Generalversammlung in New York, die dem Weltfußballtag gewidmet war, beschwor Infantino in einem blauen Schiedsrichtertrikot den Fußball als verbindende Kraft. Er betonte, dass Fußball nicht nur ein Sport, sondern eine „Schule fürs Leben“ sei und dass es Regeln gäbe, die man verstehe, sobald man Fußball spiele.
„Regeln“ sei sein Lieblingswort an diesem Abend gewesen. Doch ausgerechnet er soll später nach einem Anruf von Donald Trump dafür gesorgt haben, dass die Rotsperre für einen US-Spieler aufgeschoben wurde, was als Regelbruch im weltweiten Fußball Empörung auslöste.
Der Fall Balogun wird die Fußballwelt voraussichtlich noch eine Weile beschäftigen.
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Source: bild.de
