Carapaz gewinnt Königsetappe der Tour de France nach Sturzdrama

Carapaz gewinnt Königsetappe der Tour de France nach Sturzdrama

Carapaz sichert sich Etappensieg und Bergtrikot

Richard Carapaz (EF Education – EasyPost) hat die Königsetappe der Tour de France gewonnen, einen Tag vor dem Finale in Paris. Der 33-jährige Ecuadorianer profitierte dabei von einem Sturz von Sepp Kuss (Visma – Lease a Bike), der auf den letzten Kilometern in Führung liegend zu Fall kam. Carapaz sicherte sich nicht nur den zweiten Etappensieg bei dieser Tour, sondern auch den Gewinn des Bergtrikots.

Die 20. Etappe über 171 Kilometer von Le Bourg d’Oisons nach Alpe d’Huez galt als die schwierigste der gesamten Tour. Sie umfasste 5.450 Höhenmeter, darunter drei Anstiege der höchsten Kategorie und einen der ersten Kategorie. Carapaz hatte das Gepunktete Trikot bereits am Vortag von Tadej Pogacar übernommen und festigte seine Führung in der Bergwertung durch eine offensive Strategie.

Bereits 3,6 Kilometer vor der Passhöhe des Col de la Croix de Fer setzte Carapaz eine Attacke, der Valentin Paret-Peintre nicht folgen konnte. Carapaz erreichte die Bergwertung mit 22 Sekunden Vorsprung und holte sich die ersten 20 Punkte. Später auf dem Col du Galibier, dem höchsten Punkt der Tour auf 2.642 Metern, sicherte sich Carapaz weitere 20 Bergpunkte, was den Gewinn des Bergtrikots bedeutete.

Drama um Sepp Kuss und Pogacars Teamarbeit

Das größte Drama der Etappe spielte sich auf den letzten Kilometern ab. Sepp Kuss, der die letzte Bergwertung 14,3 Kilometer vor dem Ziel als Erster passiert hatte und mit wenigen Sekunden Vorsprung durch Alpe d’Huez jagte, stürzte 5,7 Kilometer vor dem Ziel in einen Fangzaun. Dieser Zaun verhinderte schwerwiegendere Folgen. Kuss, der zweimal zu Fall kam, wurde daraufhin von Carapaz überholt.

Auf der Zielgeraden zog auch Remco Evenepoel (Red Bull – Bora – hansgrohe) an Kuss vorbei und überquerte die Ziellinie als Zweiter mit 26 Sekunden Rückstand. Kuss belegte den dritten Platz mit 31 Sekunden Rückstand. Evenepoel zeigte damit erneut eine starke Leistung im Hochgebirge und festigte seinen zweiten Platz in der Gesamtwertung.

Tadej Pogacar (UAE Team Emirates), der kurz vor seinem fünften Gesamtsieg steht, stellte sich bei dieser Königsetappe voll in den Dienst seines Teamkollegen Isaac del Toro aus Mexiko. Pogacar übernahm auf den letzten 50 Kilometern die Tempoarbeit in der Spitzengruppe, um del Toros dritten Platz in der Gesamtwertung zu sichern. Das Duo überquerte die Ziellinie gemeinsam als Vierter und Fünfter mit 1:05 Minuten Rückstand.

In der Gesamtwertung führt Pogacar mit einem Vorsprung von 6:26 Minuten vor Evenepoel. Del Toro liegt 9:42 Minuten hinter Pogacar auf dem dritten Rang. Paul Seixas (Decathlon – CMA CGM) verlor am letzten Anstieg den Kontakt zur Favoritengruppe, behielt aber den fünften Platz im Gesamtklassement.

Pedersen sichert Grünes Trikot, Ackermann scheidet aus

Mads Pedersen (Lidl – Trek) sicherte sich das Grüne Trikot für die Punktewertung. Er fuhr bei der Sprintwertung bei Kilometer 66,5 ohne Gegenwehr die 25 Punkte ein und hat nun 82 Punkte Vorsprung vor dem Finale in Paris. Pedersen hatte zuvor bereits am Col de la Croix de Fer überraschend vor dem Feld der Klassementfahrer gelegen und seine Kletterfähigkeiten unter Beweis gestellt.

Der deutsche Radprofi Pascal Ackermann schied während der Etappe aus. Er konnte sich in den Massensprints dieser Rundfahrt kaum zeigen. Ackermanns Rennen endete beim Anstieg zum Col de la Croix-de-Fer. Er berichtete von einem Vorfall am Vortag, bei dem er an einem Team-Materialwagen hängengeblieben sei und sich über die Motorhaube gedreht habe, betonte jedoch, dass dies keine Ausrede sei und seine Beine leer gewesen seien.

Die Tour de France endet am Sonntag in Paris. Die letzte Etappe wurde aufgrund von Waldbränden in Frankreich kurzfristig auf 89 Kilometer verkürzt und komplett in die Hauptstadt verlegt. Statt 133 Kilometern werden die Profis in Paris starten und zwei zusätzliche Runden rund um die Champs-Élysées absolvieren, wobei die drei Überquerungen des Montmartre-Hügels bestehen bleiben.

Richard Carapaz feiert seinen Sieg bei der Königsetappe
Richard Carapaz feiert seinen Sieg bei der KönigsetappeQuelle:REUTERS/Stephanie Lecocq Credit: welt.de

Carapaz äußerte sich im Flash-Interview: „Es war eine traumhafte Tour für mich. In Barcelona wusste ich nicht, dass wir um das Gesamtklassement mitkämpfen werden. Wir haben es durchgeschafft und das Trikot und ein paar Etappensiege gewonnen.“ Auch Evenepoel zeigte sich zufrieden mit seiner Leistung und betonte, dass er alles getan habe, was er konnte. Er sei glücklich für sich und das Team und dankte seiner Familie und dem Betreuerstab. Die 113. Frankreich-Rundfahrt endet am Sonntag.

Pascal Ackermann quälte sich durch die Tour de France, das Ziel in Paris wird er nicht erreichen
Pascal Ackermann quälte sich durch die Tour de France, das Ziel in Paris wird er nicht erreichen Credit: welt.de

Source: sportschau.de

Jonas Keller

Sportredakteur mit Schwerpunkt Fußball und internationale Wettbewerbe.