Collina weist Kritik an Schiedsrichtern zurück, während Frankreichs WM-Aus zu Ausschreitungen führt

Collina weist Kritik an Schiedsrichtern zurück, während Frankreichs WM-Aus zu Ausschreitungen führt

FIFA verteidigt Schiedsrichterleistungen

Pierluigi Collina, der Leiter der FIFA-Schiedsrichterkommission, hat die Kritik von Didier Deschamps, dem Nationaltrainer Frankreichs, an Schiedsrichter Iván Barton zurückgewiesen. Deschamps hatte nach dem verlorenen Halbfinale gegen Spanien (0:2) die Eignung Bartons für ein WM-Halbfinale infrage gestellt. Collina betonte, dass die Schiedsrichter der FIFA „weltklasse“ seien.

Deschamps räumte ein, dass die Leistung seines eigenen Teams der Hauptgrund für die Niederlage gewesen sei, äußerte jedoch, dass einige Situationen häufig zum Nachteil Frankreichs ausgelegt wurden. Die Leistungen der Schiedsrichter waren seit Beginn des Turniers in Nordamerika ein häufiges Diskussionsthema. Zuvor hatte Ägypten den Ausschluss des französischen Schiedsrichters Francois Letexier gefordert, da dieser „offensichtliche Fehler“ gemacht haben soll, die Argentinien im Achtelfinale begünstigten.

Reaktionen nach Frankreichs WM-Aus

Nach der Niederlage Frankreichs im Halbfinale gegen Spanien kam es in 183 französischen Städten zu Ausschreitungen. Das Innenministerium berichtete von Konfrontationen mit der Polizei, insbesondere in Paris und Lyon. Insgesamt wurden 342 Personen festgenommen, wovon 250 in Polizeigewahrsam kamen. Einsatzkräfte wurden in 688 Fällen mit Feuerwerkskörpern beschossen, und 1.128 Böller wurden beschlagnahmt.

In Grenoble wurde ein 49 Jahre alter Mann, der das Halbfinalspiel auf einer Terrasse verfolgte, verfolgt und in einer Seitenstraße erschossen. Die Polizei vermutet einen Bandenkrieg als Hintergrund. Das Halbfinalspiel fiel auf den französischen Nationalfeiertag, den 14. Juli, an dem es traditionell häufig zu Ausschreitungen kommt. Bereits in der Nacht vom 13. auf den 14. Juli gab es in 141 Städten Gewalt und Brandstiftungen, wobei 188 Personen festgenommen wurden. An beiden Tagen wurden landesweit 701 Autos in Brand gesteckt.

Kylian Mbappé, Kapitän der französischen Nationalmannschaft, äußerte sich nach dem WM-Aus. Er sagte, dass das Team nicht das Spiel gemacht habe, das es machen wollte, weder taktisch noch technisch. Er betonte, dass man in einem WM-Halbfinale nicht gewinnen könne, wenn man nicht die erforderliche Leistung bringe. Mbappé beschrieb es als einen Traum, ins Finale zu kommen und dem Land die Möglichkeit zu geben, weiter zu träumen und Geschichte zu schreiben.

Rayan Cherki, der in der 72. Minute eingewechselt wurde, erklärte, dass er versucht habe, das Spiel zu drehen. Er meinte, dass es nicht am Willen gemangelt habe, aber Spanien taktisch besser aufgestellt gewesen sei. Cherki hatte nicht den Eindruck, dass die Spanier überlegen waren, als er eingewechselt wurde, aber von der Bank aus habe er gesehen, wie sie den Ball gut laufen ließen und ihr eigenes Tempo spielten. Er fügte hinzu, dass Spanien überlegen war, was die Balleroberung anging, und dies Frankreich gefehlt habe.

Weitere WM-Entwicklungen

Das Halbfinale zwischen Frankreich und Spanien in Dallas war nicht ausverkauft. Von den 70.649 Plätzen blieben 70.176 Zuschauer im Stadion, was bedeutet, dass fast 500 Plätze frei blieben. Dies wird auf die hohen Ticketpreise zurückgeführt, wobei die günstigsten Tickets am Tag vor dem Spiel für 1.300 US-Dollar erhältlich waren.

Auch für das WM-Finale am kommenden Sonntag sollen noch Tickets verfügbar sein, obwohl die Partie laut FIFA bereits ausverkauft war. Berichten zufolge wurden am vergangenen Wochenende einige Karten in den Verkauf gegeben. Die verfügbaren Tickets der Kategorie 2 kosteten demnach jeweils 6.500 Euro, während Eintrittskarten der besten Kategorie 1 zwischen 17.500 und 28.800 Euro lagen.

Vor dem Halbfinale zwischen England und Argentinien in Atlanta kam es zu kleineren Ausschreitungen. Anhänger der argentinischen Clubs San Lorenzo und Huracan attackierten sich vor einer Sportsbar gegenseitig, woraufhin die Polizei einschreiten musste. Die Sportsbar erteilte allen Beteiligten ein Hausverbot. Die Polizei von Atlanta bestätigte den Vorfall, machte jedoch keine Angaben zu Festnahmen oder rechtlichen Konsequenzen.

Polizei
Die Polizei war nach dem Ausscheiden Frankreichs im WM-Halbfinale im Einsatz.© AFP/MARTIN LELIEVRE Credit: web.de

Das Semifinale zwischen England und Argentinien wurde als Hochrisiko-Spiel eingestuft, und die Polizeipräsenz wurde erhöht. Trotz der Randale am Abend waren zuvor friedliche Szenen zu beobachten, darunter argentinische Anhänger, die mit Polizeibeamten Salsa tanzten. Wenige Stunden vor dem Anpfiff versammelten sich Tausende Fans des Titelverteidigers in der Nähe des Atlanta-Stadions zu einem Fanmarsch, der zunächst friedlich verlief.

Im Stadion selbst pfiffen argentinische Fans lautstark, wenn englische Musik gespielt oder die Ankunft der Three Lions auf der Anzeigetafel gezeigt wurde. Als Englands Spieler 90 Minuten vor Anpfiff den Rasen betraten, gab es Buhrufe aus dem argentinischen Block.

Thomas Tuchel, Trainer der englischen Nationalmannschaft, nahm drei Wechsel in der Startelf für das Halbfinale gegen Argentinien vor. Reece James, Djed Spence und Morgan Rogers starteten anstelle von Ezri Konsa, Nico O’Reilly und Noni Madueke. Argentiniens Trainer Lionel Scaloni nahm im Vergleich zum Viertelfinale gegen die Schweiz eine Änderung vor: Giuliano Simeone spielte für Rodrigo De Paul.

Auch Haiti hat sich wenige Tage nach dem WM-Aus von Nationaltrainer Sébastien Migné getrennt. Der französische Coach und der Verband gaben an, sich „im gegenseitigen Einvernehmen“ zu trennen. Migné hatte Haiti erstmals seit der WM 1974 wieder zu einer Weltmeisterschaft geführt. In der Gruppenphase schied Haiti nach Niederlagen gegen Schottland (0:1), Brasilien (0:3) und Marokko (2:4) als Gruppenletzter aus. Der Verband würdigte Mignés Amtszeit und die „historische Qualifikation“ als „bedeutenden Erfolg“.

Die WM-Nachrichten vom 15. Juli umfassten auch einen vereitelten Einbruchsversuch bei Lamine Yamal und Diskussionen um eine Olise-Grätsche ohne rote Karte.

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Source: web.de

Jonas Keller

Sportredakteur mit Schwerpunkt Fußball und internationale Wettbewerbe.