Deschamps stellt Schiedsrichterfrage nach Frankreichs WM-Halbfinal-Aus

Deschamps stellt Schiedsrichterfrage nach Frankreichs WM-Halbfinal-Aus

Frankreichs WM-Traum endet im Halbfinale

Die Ära von Didier Deschamps als Trainer der französischen Nationalmannschaft neigt sich dem Ende zu, nachdem das Team im Halbfinale der Weltmeisterschaft gegen Spanien mit 0:2 unterlag. Deschamps, der als Spieler 1998 und als Trainer 2018 Weltmeister wurde, wird den Verband nach dem Spiel um Platz drei verlassen. Diese Entscheidung hatte der ehemalige Profi bereits vor dem Turnier bekannt gegeben.

Nach der Niederlage, die in der heimischen Presse als „Lehrstunde“ bezeichnet wurde, äußerte sich Deschamps kritisch über den Schiedsrichter Ivan Barton aus El Salvador. Er stellte die Frage, ob Barton die nötige Klasse für ein WM-Halbfinale besitze, fügte jedoch hinzu, dass er diese Frage nicht selbst beantworten werde und der Unparteiische nicht der Grund für die Niederlage gewesen sei. Deschamps räumte ein, dass es einige Situationen gab, die teilweise auch zugunsten Frankreichs entschieden wurden.

In die Knie gegangen: Maxence Lacroix wurde in seinem sechsten Länderspiel im WM-Halbfinale eingewechselt.
In die Knie gegangen: Maxence Lacroix wurde in seinem sechsten Länderspiel im WM-Halbfinale eingewechselt.AFP Credit: faz.net

Schiedsrichterleistung und strittige Szenen

Für Ivan Barton war das Halbfinale der vierte Einsatz bei dieser Weltmeisterschaft. Zuvor hatte er dreimal souveräne bis sehr gute Leistungen gezeigt. Eine kuriose Szene ereignete sich in der Anfangsphase, als er sich vor einem Freistoß für Spanien ein Freistoßspray von einem Assistenten reichen lassen musste, da er seines offenbar vergessen oder verloren hatte.

Mitte der ersten Hälfte pfiff Barton einen Elfmeter für Spanien, den der Europameister zur Führung nutzte. Kurz zuvor hatte Frankreichs Michael Olise Glück, dass er für ein hartes Einsteigen gegen Rodri lediglich eine mündliche Verwarnung erhielt. Der Schiedsrichterexperte Patrick Ittrich sah in dieser Szene eine mögliche Rote Karte.

Die Entscheidung zum Elfmeter war unstrittig. Lucas Digne traf Lamine Yamal im Strafraum, was zum Strafstoß führte, den Mikel Oyarzabal verwandelte. Trotzdem hatten die Franzosen Glück, dass der bereits mit einer Gelben Karte belastete Adrien Rabiot nach einem weiteren Foul vor der Pause nicht des Feldes verwiesen wurde. Deschamps reagierte darauf und wechselte Rabiot in der Halbzeit aus.

Deschamps betonte, dass Spanien auf einem anderen Niveau gespielt habe. Er erklärte, dass Frankreich schwach gewesen sei und der Gegner sie an ihrem Spiel gehindert habe. Technisch sei man nicht gut gewesen und gezwungen, zu verteidigen. Er stellte klar: „Zuerst einmal war es unsere Schuld, ich will keine Ausreden suchen.“

Taktische Herausforderungen und Spielerwechsel

Eine weitere Herausforderung für Frankreich war die Abwehrstärke, die Spanien im Halbfinale auf die Probe stellte. William Saliba, der englische Meister mit Arsenal, musste in der ersten Halbzeit verletzungsbedingt ausgewechselt werden. Für ihn kam der frühere Wolfsburger Maxence Lacroix ins Spiel, der in seinem sechsten Länderspiel eine große Aufgabe zu bewältigen hatte.

Lacroix öffnete viel Raum, den Pedro Porro nach einem Doppelpass mit Dani Olmo nutzte, um das 2:0 zu erzielen. Deschamps wurde auch zu seiner Entscheidung befragt, Ibrahima Konaté nicht einzuwechseln, worauf er erklärte, dass Saliba und Lacroix links in der Innenverteidigung spielen, während Konaté rechts spielt.

Vor dem Spiel hatte Deschamps bereits eine personelle Änderung vorgenommen, indem er Manu Koné aus der Startelf nahm und Aurélien Tchouaméni, der zuvor angeschlagen gefehlt hatte, im Mittelfeld neben Rabiot einsetzte. Nach Rabiots Beinahe-Platzverweis kam Koné dann doch ins Spiel. Trotz dieser Wechsel dominierten Rodri und seine spanischen Mitspieler das Mittelfeld mit geschickten Läufen und präzisen Pässen. Deschamps räumte ein: „Wir müssen anerkennen, dass wir technisch unterlegen waren gegen eine Mannschaft, die wusste, was sie tat.“

Die französische Offensive, die als die spektakulärste dieser WM galt, konnte gegen Spanien keine einzige Topchance kreieren. Spieler wie Kylian Mbappé, Ousmane Dembélé, Bradley Barcola, Desiré Doué und Michael Olise, die zuvor zahlreiche Tore und Vorlagen beigesteuert hatten, blieben in diesem Spiel weitgehend harmlos. Mbappé kommentierte die Niederlage mit den Worten: „Wir wollten ins Finale, wir haben es nicht geschafft, und wir müssen die Kritik der Leute akzeptieren.“

Die Ära von Deschamps endet mit dem ungeliebten Spiel um Platz drei. Mbappé betonte, dass sie für ihn ihr bestes Spiel abliefern müssten, da er es verdient habe. Trotz des WM-Titels 2018 und des Gewinns der Nations League 2021 bleibt nach dem dritten Scheitern an Spanien in einem Halbfinale, nach der EM 2024 und der Nations League 2025, sowie den früheren Niederlagen im Endspiel der Heim-EM 2016 und der WM 2022, das Gefühl, dass für die talentierten Franzosen mehr möglich gewesen wäre. Die französische Mannschaft wird auch bei den nächsten Turnieren zu den Favoriten zählen, dann jedoch ohne Deschamps.

Michael Olise: Sein schwächster WM-Tag
Michael Olise: Sein schwächster WM-TagFoto:Tom Weller / dpa Credit: spiegel.de

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Source: n-tv.de

Jonas Keller

Sportredakteur mit Schwerpunkt Fußball und internationale Wettbewerbe.