Der deutsche Radsportler Florian Lipowitz (25) musste die Tour de France nach einem schweren Sturz während des Einzelzeitfahrens auf der 16. Etappe aufgeben. Der Vorjahresdritte kam in Evian-les-Bains nach Thonon-les-Bains zu Fall und prallte mit der Schulter gegen einen Bordstein, nachdem er in einer Rechtskurve zu weit nach außen getragen wurde. Die starken Schmerzen waren ihm anzusehen, als er sich die Schulter und das Schlüsselbein hielt.
Lipowitz, der vor der Etappe auf dem fünften Gesamtrang lag, befand sich auch im Zeitfahren in einer vielversprechenden Position. Er hatte in der Gesamtwertung gegenüber seinen Konkurrenten um Platz 3, Isaac del Toro (22) aus Mexiko und Paul Seixas (19) aus Frankreich, Zeit gutgemacht. Es sah so aus, als könnte er den beiden Talenten sehr nahekommen, bevor der Unfall seine Hoffnungen beendete.
Nach dem Sturz konnte Lipowitz nicht selbstständig aufstehen und wurde auf einer Trage in einem Krankenwagen ins Krankenhaus gebracht. Dieser Vorfall ereignete sich nur zwei Tage nach dem Ausscheiden des Gesamtzweiten Jonas Vingegaard (29) aufgrund eines Sturzes auf der 15. Etappe, was die Serie folgenschwerer Stürze bei dieser Tour de France fortsetzt.
Reaktionen und Etappensieg
Die 16. Etappe wurde von Lipowitz’ Teamkollegen bei Red Bull, Remco Evenepoel (26), gewonnen. Evenepoel deklassierte die Konkurrenz und hatte im Ziel einen Vorsprung von 28 Sekunden vor dem weiterhin in Gelb fahrenden Tadej Pogacar (27). Es war der erste Sieg eines Belgiers am belgischen Nationalfeiertag seit 41 Jahren, als Rudy Matthijs (67) 1985 die Schlussetappe in Paris gewann.
Trotz seines Sieges äußerte sich Evenepoel betroffen über den Sturz seines Teamkollegen. „Es ist ein bittersüßer Sieg. Ich habe gehört, dass Florian gestürzt ist. Das tut mir sehr leid. Ich hoffe, es geht ihm bald wieder besser“, sagte Evenepoel. In der Gesamtwertung liegt er 4:32 Minuten hinter Pogacar. Der Vorsprung auf Rang 4, den Seixas belegt, beträgt vor den drei schweren Alpen-Etappen am Donnerstag, Freitag und Samstag 2:39 Minuten. Das Ziel von Red Bull ist es, einen Fahrer am Sonntag in Paris auf dem Podium zu haben.
Auch Tadej Pogacar zeigte sich betroffen. „Ich hoffe, Lipo ist okay. Vor mir waren Autos der Organisation und ich konnte die Kurve nicht so einsehen, wie ich wollte. Ich wäre da auch fast gestürzt“, erklärte Pogacar.
Dopingkontrollen vor der Etappe
Vor der 16. Etappe sorgten Dopingkontrollen für Gesprächsstoff. Das gesamte Red Bull-Team, einschließlich Evenepoel und Lipowitz, wurde am Montagabend kontrolliert. Die Tests aller acht Fahrer fanden zwischen 22 Uhr und 23 Uhr statt, wie ein Sprecher bestätigte. Dies lag noch vor dem Zeitraum, in dem nächtliche Kontrollen nur bei einem konkreten Verdacht zulässig sind.
Teamchef Ralph Denk berichtete im ZDF, dass die Maßnahme zwar die Regeneration beeinträchtige, äußerte aber zugleich Verständnis für die Kontrollen. Teamkollege Nico Denz fügte hinzu: „So ist es eben. Immerhin war die Kontrolle nicht um zwei Uhr nachts, sondern gegen halb elf.“ Er merkte an, dass die Kontrolleure professionell vorgegangen seien. Zuvor waren bereits Tadej Pogacar und Jonas Vingegaard zu sehr frühen Morgenstunden geweckt worden, was zu Diskussionen über die Auswirkungen auf die Fahrer führte.

Die 17. Etappe am Mittwoch bietet dem Peloton einen etwas entspannteren Tag über 174,7 Kilometer nach Voiron, bevor die spektakuläre Alpentrilogie beginnt, in der die großen Entscheidungen im Gesamtklassement fallen werden.
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Source: bild.de
