Haennis Einschätzung zum Trainerwechsel
Tatjana Haenni, die Chefin von RB Leipzig, hat sich zum möglichen Abgang von Jürgen Klopp geäußert und betont, dass dieser den Verein nur indirekt betreffe. Haenni, die seit dem 1. Januar im Amt ist, verfolgte das erste Training von Martín Demichelis an der Rasenkante, begleitet von Finanzgeschäftsführer Florian Hopp und Nachwuchschef David Wagner. Sie zeigte sich beeindruckt von Demichelis, den sie als sehr sympathisch, umgänglich und offen beschrieb. Die Energie des neuen Trainers sei direkt spürbar, was eine andere Persönlichkeit in den Verein bringe.
Klopp, der noch Global-Sportboss ist, soll Medienberichten zufolge neuer Bundestrainer werden. Haenni zeigte sich von dieser Entwicklung nicht überrascht. Sie erklärte, dass die Dynamik des Geschäfts solche Veränderungen mit sich bringe und man auf unerwartete Ereignisse vorbereitet sei. Für RB Leipzig sei Klopp eher ein Berater gewesen, mit dem viel gesprochen und der den Verein begleitet habe. Ein Wechsel treffe den Klub daher nur indirekt, und die Arbeitsweise solle unverändert fortgesetzt werden, ob mit oder ohne Klopp.
Haenni sieht keinen unmittelbaren Druck, Klopps Position schnell neu zu besetzen. Sie betonte, dass es immer von Vorteil sei, Expertise um sich zu haben, da dies die Qualität auf verschiedenen Ebenen verbessere. Dennoch bestehe keine Dringlichkeit, sofort eine neue Person für diese Rolle zu finden.
Vorbereitung auf die neue Saison und Transferziele
Für Tatjana Haenni steht derzeit die Vorbereitung auf die neue Saison im Vordergrund. Der Verein hat mit Brajan Gruda seinen dritten Neuzugang verpflichtet. Trotzdem hinkt die sportliche Leitung von RB Leipzig noch hinter den internen Einnahmezielen aus Spielerverkäufen zurück. Haenni äußerte sich diesbezüglich gelassen und erklärte, dass Transferprozesse manchmal auf einer Seite schneller voranschreiten als auf der anderen. Sie ist zuversichtlich, dass sich die Transfersummen-Balance in den kommenden Wochen noch positiv entwickeln wird.
Die deutsche Nationalmannschaft ist unterdessen im Sechzehntelfinale der WM an Paraguay gescheitert und steht vor einem Umbruch. Der frühere Bundestrainer Berti Vogts mahnte an, den Fokus auf die Trainerausbildung zu legen, um die Qualität des deutschen Fußballs zu verbessern. Er schlug vor, den Zugang zum Trainerjob für gestandene Nationalspieler zu vereinfachen, ähnlich einem Lehrgang, an dem einst Jürgen Klinsmann teilnahm.
Im Rahmen der WM gab es auch Diskussionen um Thomas Tuchel und Jude Bellingham nach dem Halbfinaleinzug Englands. Toni Kroos sah darin kein größeres Problem und vermutete, dass die Situation ausgenutzt wurde. Er erklärte, dass nach einem hart erkämpften Spiel bei hoher Luftfeuchtigkeit in Miami Kritik an der Spielweise gereizt aufnehmen könne. Kroos zeigte jedoch auch Verständnis für Tuchel, der als Trainer das Recht habe, Mängel anzusprechen, insbesondere wenn die Mannschaft zuvor für ihre Mentalität gelobt wurde. Ein Problem entstehe nur, wenn das Verhältnis zwischen Trainer und Mannschaft nicht intakt sei, was Kroos in diesem Fall nicht sah.
Internationale Entwicklungen und FIFA-Diskussionen
Abseits der Bundesliga-Themen gab es auch internationale Schlagzeilen. Die kroatische Nationalmannschaft wird künftig von Slaven Bilic betreut, der nach dem Rücktritt von Zlatko Dalic auf Vorschlag von Verbandspräsident Marijan Kustic einstimmig vom Vorstand ernannt wurde.
Der Schweizer Strafrechtsexperte Mark Pieth rief die Mitgliedsverbände, insbesondere in Europa, dazu auf, sich gegen FIFA-Präsident Gianni Infantino zur Wehr zu setzen. Pieth, der frühere Vorsitzende der FIFA-Kommission für Governance, nannte Möglichkeiten, Infantino abzusetzen, da jedes Vereinsmitglied das Recht habe, zu wählen oder abzusetzen. Er kritisierte das System Infantino, in dem die Ethikkommission nur formal existiere und es keine Unabhängigkeit oder Kontrolle gebe. Pieth meinte, Infantino habe das System Blatter perfektioniert und es gehe ihm noch stärker um Macht und Geld.
Pieth betonte, dass niemand den 56 Jahre alten Schweizer angreife, da er als unantastbar gelte. Er sah eine Schlüsselposition im Widerstand gegen Infantino beim europäischen Kontinentalverband, der UEFA. Die UEFA könnte laut Pieth aus der FIFA austreten und eine eigene, riesige Fußball-EM organisieren. Er hob hervor, dass Europa der mächtigste Kontinent im Fußball sei und ohne Europa im Grunde nichts gehe. Diese Macht sollten die Verbände nutzen, auch kartellrechtlich gegen die FIFA vorzugehen, doch Pieth sah bisher wenig Bestrebungen im europäischen Fußball, sich zusammenzuschließen und gegen Infantino vorzugehen.
Die FIFA wies zudem erneut Gerüchte um eine Spidercam-Berührung beim Ausgleichstor der Engländer im Viertelfinale der WM gegen Norwegen zurück. Der Fußball-Weltverband bekräftigte, dass alles rechtens gewesen sei. Die These, dass wackelnde Kamerabilder eine Berührung des Balls mit dem Kabel einer Spidercam beweisen könnten, wurde von der FIFA zurückgewiesen. Auf dem Bildmaterial der Spidercam sei klar zu sehen, dass die Kamera weder wackele noch sich bewege. Die Debatten entzündeten sich an einer Szene nach einem Abschlag von Norwegens Torwart Ørjan Nyland, bei der der Ball bei Anthony Gordon landete, der dann Jude Bellinghams Treffer zum 1:1 vorbereitete. Norwegens Trainer Ståle Solbakken hatte die Reaktion seiner Bank auf eine mögliche Berührung des Kabels erwähnt. Die FIFA versicherte, dass das Ballsignal, der „Herzschlag“ des Balls, die gesamte Zeit verfügbar war und England die Partie mit 2:1 nach Verlängerung gewann.
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Source: bild.de
