Tadej Pogačar feiert fünften Tour-de-France-Sieg und reiht sich in Rekordliste ein

Tadej Pogačar feiert fünften Tour-de-France-Sieg und reiht sich in Rekordliste ein

Tadej Pogačar hat mit seinem fünften Gesamtsieg bei der Tour de France einen bedeutenden Meilenstein erreicht. Der Slowene reiht sich damit in den Kreis der Rekordsieger ein, zu dem auch Eddy Merckx, Jacques Anquetil, Bernard Hinault und Miguel Indurain gehören. Pogačar erreichte diesen Erfolg im Alter von 27 Jahren, was ihn zum jüngsten Fahrer in dieser Riege macht.

Die Überlegenheit des Weltmeisters vom UAE-Team hat jedoch auch Fragen aufgeworfen. Trotzdem erhält Pogačar Unterstützung von prominenten Persönlichkeiten. Greg LeMond, selbst dreifacher Tour-Sieger und bekannter Dopinggegner, verteidigte Pogačar in einem Gespräch mit der französischen Sportzeitung „L’Equipe“ gegen Doping-Verdächtigungen.

LeMond verteidigt Pogačar und kritisiert Armstrong

Greg LeMond betonte das außergewöhnliche Talent von Tadej Pogačar. Er erklärte, dass es von Zeit zu Zeit Menschen gebe, die drei oder vier Prozent mehr Fähigkeiten besitzen, was bei der Tour einen entscheidenden Unterschied mache. Diese Ansicht unterscheide Pogačar von früheren Seriensiegern wie Lance Armstrong, dessen Talent laut LeMond erst mit 28 Jahren „gefunden“ wurde.

LeMond, der die Tour in den Jahren 1986, 1989 und 1990 gewann, zog einen klaren Vergleich zu Armstrong. Er hob hervor, dass es einen Unterschied gebe zwischen jemandem mit einem natürlich hohen VO2max-Wert und jemandem, der einen niedrigen Wert habe und dennoch siebenmal die Tour de France gewinne. Armstrong wurden alle Tour-Siege wegen Dopings aberkannt.

Der US-Amerikaner traut Pogačar zu, die inzwischen gelöschte Rekordmarke Armstrongs bei der Grande Boucle zu übertreffen. LeMond äußerte die Erwartung, dass Pogačar, sofern er keine Unfälle oder körperlichen Probleme erleidet, noch drei oder vier Jahre auf diesem Niveau weitermachen und mindestens sieben Tour-Siege erringen könnte.

Am Sonntag stand LeMond anlässlich des Jubiläums seines ersten Tour-Triumphs vor 40 Jahren gemeinsam mit Pogačar auf dem Podium bei der Siegerehrung auf den Champs-Élysées. LeMonds erster Sieg war der erste eines US-Amerikaners und wurde nach einem intensiven Duell mit seinem damaligen Teamkollegen Bernard Hinault errungen.

Pogačar über Dopingkontrollen

Tadej Pogačar äußerte sich auf der Abschlusspressekonferenz der Tour auch zu den Dopingkontrollen. Er berichtete von „seltsamen Kontrollen“ seit Beginn seiner Teilnahme an der Tour, darunter Tests um 05:00 Uhr morgens oder Besuche am Teambus eine halbe Stunde vor dem Start schwieriger Bergetappen. Er akzeptiere dies jedoch, da die Kontrolleure lediglich ihre Arbeit täten.

Pogačar erklärte, er habe sich mit den permanenten Dopingtests im Alltag arrangiert. Wenn es morgens an der Tür klopfe, sei sein erster Gedanke immer ein Dopingtest. Für ihn sei es mittlerweile „wie kurz rüber zum Supermarkt zu gehen“, nichts Besonderes mehr.

Neben LeMond sprachen sich auch andere kritische Beobachter der Szene, wie der ehemalige Dopingsünder David Millar und der Journalist David Walsh, für Pogačar und seine Integrität aus. Selbst UAE-Teamchef Mauro Gianetti nahm nach jahrelangem Schweigen in einem Interview Stellung zu seiner eigenen Vergangenheit als Fahrer und Teamchef, konnte dabei aber nicht vollständig überzeugen.

Die internationale Presse würdigte Pogačars Leistung. „L’Equipe“ bezeichnete seinen Sieg als „Monumental“, während „Le Parisien“ schrieb, er sei „in den Olymp des Radsports aufgestiegen“. „Le Figaro“ beschrieb ihn als „unantastbar, unerbittlich, unbeugsam“. Die spanische Zeitung „AS“ nannte ihn eine Legende, die „Geschichte schreiben“ wolle. „Marca“ hob hervor, dass Pogačar das Ziel von fünf Tour-Siegen nicht wie eine abgeschlossene Etappe erreiche, sondern „eher wie jemand, der gerade erst warmgelaufen ist“. Slowenische Medien wie „Delo“ feierten seinen „unangreifbaren gelben Thron“ und „Radiotelevizija Slovenija“ sprach von erschöpften Superlativen. Italienische Zeitungen wie „Gazzetta dello Sport“ und „Tuttosport“ krönten ihn zum „König“ und „Kaiser“. Schweizer Medien wie der „Tagesanzeiger“ und die „Neue Zürcher Zeitung“ betonten seine Rekordleistungen und seine Entwicklung „vom Sonnyboy zum Leader“. Belgische Zeitungen wie „Het Laatste Nieuws“ hoben hervor, dass er die Konkurrenz drei Wochen lang „haushoch überlegen“ war und „einen Rekord nach dem anderen brach“.

Tadej Pogačar feierte seinen fünften Triumph bei der Tour de France mit einem Vorsprung von über sechs Minuten.

Source: spiegel.de

Jonas Keller

Sportredakteur mit Schwerpunkt Fußball und internationale Wettbewerbe.