WM-Bilanz: Yakin-Euphorie, Haaland-Hype und die Rolle der FIFA

WM-Bilanz: Yakin-Euphorie, Haaland-Hype und die Rolle der FIFA

Die kürzlich beendete Weltmeisterschaft hat neben einem verdienten Sieger auch verschiedene Diskussionen und Eindrücke hinterlassen. Während die sportlichen Leistungen einiger Teams und Spieler im Vordergrund standen, wurden auch die organisatorischen Aspekte und die Rolle des Weltfussballverbandes kritisch beleuchtet.

Aus Schweizer Sicht gab es mehrere positive Erscheinungen. Johan Manzambi konnte sich als Offensivtalent präsentieren, und Gregor Kobel etablierte sich als herausragender Torhüter, der laut dem Datenanbieter Opta der beste Torhüter des Turniers war. Auch Ricardo Rodriguez wurde als bester Linksverteidiger hervorgehoben. Weitere Schweizer Spieler wie Granit Xhaka, Manzambi und Ruben Vargas erhielten Top-5-Bewertungen in ihren jeweiligen Kategorien. Granit Xhaka wurde als Anführer alter Schule beschrieben, dessen Führungsstil nicht immer bei allen im Team ankam, aber letztlich zur besten WM-Leistung der Nati-Geschichte führte.

Einige Spieler sorgten für Aufsehen, darunter Breel Embolo, der trotz einiger Kontroversen weiterhin beliebt ist. Die Schweiz erreichte die beste WM-Leistung ihrer Geschichte. Trainer Murat Yakin wurde ebenfalls positiv wahrgenommen, und sogar die New York Times kommentierte sein Auftreten.

Internationale Eindrücke und Spielerleistungen

International gewann Erling Haaland in den letzten Wochen stark an Profil, obwohl er nicht am Turnier teilnahm. Die Ruder-Aktion der Norweger, die von einem Influencer erfunden wurde, fand Beachtung. Im Gegensatz dazu wurde die herzliche Beziehung zwischen dem algerischen Team und seinen Gastgebern in Lawrence, Kansas, als Beispiel für die verbindende Kraft des Sports genannt.

Die Schotten fielen durch ihr friedliches Feiern in Boston auf, ohne dass Schlägereien oder Sachbeschädigungen gemeldet wurden. Die Engländer konnten trotz eines deutschen Nationaltrainers ihre Angst vor dem Verlieren nicht ablegen. Von den Gruppendritten, die sich für die Sechzehntelfinals qualifizierten, gewann keiner ein K.o.-Spiel. Erst nach 100 Spielen standen die Weltnummern 1, 2, 3 und 4 in den Halbfinals, und nach 102 Spielen die Nummern 1 und 2 im Finale.

Die Kritik an der Grösse der XXL-WM wurde oft geäussert, doch die kolportierten Rekordeinnahmen der FIFA von rund 15 Milliarden US-Dollar wurden von allen gerne angenommen. Die Teilnahme von Teams wie den Kap Verden, deren Torhüter Vozinha bekannt wurde, wurde als positiver Aspekt der erweiterten WM hervorgehoben. Von den 16 zusätzlichen Teams, die ohne die Vergrösserung nicht dabei gewesen wären, erreichte Paraguay das Achtelfinale.

Kontroversen und die Rolle der FIFA

Die WM war auch von Widersprüchen geprägt. Der Weltfussballverband geriet in die Kritik, weil er eigene Regeln missachtete, etwa bei der Länge der Halbzeitshow oder der Anpassung der Trinkpausen an Werbeblöcke. Auch das Auftreten von Donald Trump und Gianni Infantino beim Siegerfoto wurde bemängelt. Besonders kritisiert wurde die Wahrung der politischen Neutralität des Sports durch die FIFA.

Ein Beispiel für die Missachtung eigener Regeln war der Fall Balogun, bei dem die FIFA die Regeln brach, ohne Konsequenzen zu tragen. Folarin Balogun geriet unverschuldet in diese Situation und meisterte sie würdevoll. Selbst Sepp Blatter kritisierte die FIFA wegen mangelnder Integrität. Die Anordnung von Hydration Breaks bei 18 Grad Celsius in Vancouver wurde als humorvoll empfunden.

Die Anpassungen der FIFA zur Reduzierung von Zeitspiel und zur Förderung des Spielflusses wurden hingegen positiv bewertet. Trotz der Bemühungen der FIFA, die WM zu beeinflussen, stellte sich das WM-Gefühl oft trotz und nicht wegen des Verbandes ein. Die Magie von Messi, die Haare von Haaland und das Zusammenspiel Spaniens trugen dazu bei, dass sich der Fussball in die US-amerikanische Sportkultur integrierte. Die TV-Quoten waren vergleichbar mit wichtigen NFL-Spielen, und die Spiele wurden sogar live auf Bordbildschirmen in Flugzeugen übertragen.

Spielerpersönlichkeiten und das Finale

Cristiano Ronaldo bleibt eine globale Ikone, doch als Fussballer auf Top-Niveau wurde sein Zenit überschritten. Im Achtelfinale gegen Spanien hatte er lediglich 19 Ballkontakte. Neymar wurde nachgesagt, dass seine Prioritäten zunächst beim Duell mit dem norwegischen Goalie lagen, gefolgt von Tränen über seine letzte WM, bevor das Team selbst in den Fokus rückte. Auch Carlo Ancelotti konnte die Seleçao nicht auf Kurs bringen, was auf ein Problem Brasiliens hindeutet.

Lionel Messi zeigte, dass man nicht jeden Weg gehen muss, sondern sich auf das Wesentliche konzentrieren sollte. Argentinien wurde mit Atletico Madrid verglichen, hätte es Messi in seinen Reihen. Deutschland war ebenfalls dabei. Spanien erreichte den WM-Final auf unaufgeregte Weise und legte dabei 16.601 Flugkilometer zurück, ein WM-Bestwert für ein Team. FIFA-Boss Infantino übertraf dies jedoch mit fast 95.000 Flugkilometern bis zum Finale, was zwei Weltumrundungen entspricht.

Die Schweiz sollte vor dem letzten Gruppenspieltag zu 92 Prozent auf den Iran treffen, doch es wurde Algerien, was die Unberechenbarkeit des Fussballs unterstreicht. Die WM wurde als gross und zuweilen grossartig beschrieben, in jeglicher Hinsicht gross.

Das sind die spektakulärsten Fantraditionen der WM
Das sind die spektakulärsten Fantraditionen der WM Credit: blick.ch

Die WM hinterlässt die Frage, ob man nach einem solchen Turnier noch Fussball schauen kann. Die Liebe zum Spiel bleibt jedoch bestehen, ungeachtet der Verfehlungen abseits des Platzes. Der Fussball gehört den Spielern und den Fans.

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Source: blick.ch

Jonas Keller

Sportredakteur mit Schwerpunkt Fußball und internationale Wettbewerbe.