Fifa-Präsident Gianni Infantino plant Berichten zufolge, Anteile an der Fußball-Weltmeisterschaft zu privatisieren. Dies würde den Verkauf von Anteilen am größten Turnier der Welt beinhalten. Ein solcher Plan sieht die Gründung eines Unternehmens vor, das sowohl die WM als auch die Klub-WM kontrollieren soll. Nach dem Ende seiner Amtszeit als Fifa-Boss könnte Infantino selbst an der Spitze dieses Unternehmens stehen.
Die Fifa hat am Dienstagnachmittag die Gründung der Tochtergesellschaft „FIFA Forward Enterprise“ (FFE) bekannt gegeben. In dieser Gesellschaft sollen die kommerziellen Aktivitäten und das Veranstaltungsgeschäft der Fifa gebündelt werden. Basierend auf einer anfänglichen Eigenkapitalbewertung von 20 Milliarden Dollar könnte die FFE im Laufe dieses Jahres durch die Zusammenarbeit mit Investoren bis zu 4,2 Milliarden Dollar aufbringen.
Pläne und potenzielle Investoren
Laut einem Bericht der englischen Zeitung „The Times“ wurden bereits Personen aus dem Umfeld der US-Regierung von Präsident Donald Trump kontaktiert. Eine enge Verbindung besteht zwischen Infantino und Donald Trump. Es wird vermutet, dass aus dieser Verbindung auch geschäftliche Beziehungen entstehen könnten. Joshua Kushner, der Bruder von Trumps Schwiegersohn Jared, wird neben der Bank JP Morgan als potenzieller Hauptinvestor für die neu gegründete Firma gehandelt. Kushner, ein Technologieinvestor, soll über seinen Fonds Thrive Eternal Gespräche führen, um den Einstieg anzuführen.
Die Aufteilung der Firmenanteile könnte so aussehen, dass die Fifa einen Mehrheitsanteil behält. Private Investoren könnten anfänglich 20 bis 30 Prozent der Anteile erwerben und dafür mehrere Milliarden US-Dollar zahlen. Rund 20 Prozent der Anteile sollen den 211 Mitgliedsverbänden der Fifa zuteilwerden. Die Fifa hat in einer offiziellen Mitteilung erklärt, dass jeder Verband bis zu 20 Millionen Dollar (rund 17,6 Millionen Euro) erhalten könnte. Dies stellt insbesondere für kleinere Verbände ein attraktives Angebot dar.
Mögliche Auswirkungen und Kritik
Eine potenzielle Auswirkung dieser Privatisierung könnte sein, dass die WM und die Klub-WM häufiger als alle vier Jahre stattfinden könnten. Dies liegt daran, dass die Firma auf Profitmaximierung ausgerichtet wäre. Die Ausweitung der Teilnehmerzahl wird ohnehin bereits diskutiert. Für Infantino könnte sich die WM-Privatisierung finanziell lohnen. Laut dem „Times“-Bericht könnte sein Gehalt als Firmenchef das Niveau des Gehalts von NFL-Boss Roger Goodell erreichen, der geschätzte 64 Millionen Dollar (rund 56,3 Millionen Euro) pro Jahr verdient. Dies würde Infantinos Gehalt fast verzehnfachen.
Die Europäische Fußball-Union (Uefa) hat mit scharfer Kritik auf die Berichte reagiert. Der Dachverband teilte mit, dass damit eine Grenze überschritten werde, die die für den Fußball verantwortlichen Institutionen niemals überschreiten dürften. Die Uefa nehme die Sache sehr ernst und betonte, dass die Seele und die Führung des Fußballs keine Handelsware seien, insbesondere nicht bei völliger Intransparenz darüber, wer finanziell davon profitiert. Es wurde klargestellt, dass niemand den Fußball besitze und er der Fifa nicht zum Verkauf stehe.

Die Investitionspläne sollen bereits seit mehreren Monaten vorbereitet werden und müssen noch genehmigt werden. Die Fifa arbeitet bei ihren Plänen mit der Investmentbank JP Morgan zusammen. Sollte das Modell umgesetzt werden, könnte der 56-Jährige nach dem Ende seiner bis 2031 erwarteten letzten Amtszeit als Präsident das neue Unternehmen als Commissioner oder Geschäftsführer leiten. Ähnliche Pläne hatte Infantino bereits im Jahr 2018 verfolgt, als er einen Milliarden-Deal unter Beteiligung saudi-arabischer Investoren für die Klub-WM und eine weltweite Nations League anstrebte. Dieses Geschäft erhielt innerhalb der Fifa jedoch keine ausreichende Unterstützung und kam daher nicht zustande.
Source: bild.de
