Bei den deutschen Meisterschaften in Bochum hat Gina Lückenkemper, die Europameisterin von 2022, den siebten Titel über 100 Meter überraschend verpasst. Die Sprinterin wurde in 11,29 Sekunden Dritte, nachdem sie zuvor sechsmal Deutsche Meisterin über diese Distanz geworden war, davon viermal in Folge.
Nach dem Wettkampf zeigte sich die 29-Jährige sichtlich emotional. Im Interview im ZDF kämpfte sie mit den Tränen und erklärte den Grund für ihre Leistung. Ein Zeckenbiss am Hinterkopf vor etwa vier Wochen hatte erhebliche gesundheitliche Probleme verursacht.
Gesundheitliche Beeinträchtigungen nach Zeckenbiss
Lückenkemper berichtete, dass sie durch den Zeckenbiss zwei Wochen, möglicherweise auch länger, Trainingsausfall hatte. Sie musste Antibiotika einnehmen, da die Zecke ihr Nervensystem beeinträchtigt hatte. Diese gesundheitlichen Probleme hätten sie nach eigenen Angaben „echt zerstört“.
Die Folgen des Zeckenbisses waren auch während des Wettkampfs sichtbar. Lückenkemper erklärte, dass ihr Gleichgewichtssystem nicht richtig mitgearbeitet habe, was sich in einem Wackeln des Kopfes in der Startposition zeigte. Ihr seien ständig die Systeme ausgefallen, was den Start zusätzlich erschwerte.
Trotz der Beeinträchtigungen war Lückenkemper letztlich froh über die Bronzemedaille. Sie hatte sogar eine Absage für die Meisterschaften erwogen. Sie äußerte, sie sei „einfach nur froh, dass mein Körper heute drei Runden mitgemacht hat“.
Die letzten vier Wochen vor dem Wettkampf beschrieb sie als eine „absolute Achterbahnfahrt“, da sie nicht wusste, was noch möglich sei. Durch die gesundheitlichen Probleme konnte sie große Teile ihres Trainings nicht wie geplant absolvieren und musste das „volle Programm“ an Medikamenten nehmen.
Ergebnisse der 100-Meter-Entscheidung
Den Sieg über 100 Meter holte sich Jolina Ernst in 11,26 Sekunden. Sie verwies Emma Goretzka vom LAC Berlin, die ebenfalls 11,26 Sekunden lief, auf den zweiten Platz. Lückenkemper belegte mit 11,29 Sekunden den dritten Rang. Die Jahresbeste Rebekka Haase musste sich mit dem vierten Platz zufriedengeben.
Im Vorlauf hatte Lückenkemper ihr Rennen noch in 11,45 Sekunden gewonnen, knapp vor Talea Prepens vom TV Cloppenburg, die ebenfalls 11,45 Sekunden erreichte. Im Halbfinale steigerte sich die Titelverteidigerin auf 11,37 Sekunden und setzte sich gegen ihre langjährige Freundin und Konkurrentin Rebekka Haase (11,41 Sekunden) durch. Schneller im Halbfinale war nur Emma Goretzka mit 11,32 Sekunden, wodurch Lückenkemper mit der zweitschnellsten Zeit aller Finalistinnen in den Endlauf einzog.
Im Finale gelang ihr jedoch keine weitere Steigerung. Ihre Zeit von 11,29 Sekunden lag sowohl über ihrer Saisonbestleistung von 11,21 Sekunden als auch über ihrer persönlichen Bestzeit von 10,93 Sekunden.
Falk Wendrichs Hochsprung-Ergebnis
Neben Lückenkemper war auch Falk Wendrich vom LAZ Soest bei den Meisterschaften im Wattenscheider Lohrheidestadion am Start. Er gewann die Silbermedaille im Hochsprung mit übersprungenen 2,15 Metern. Wendrich zeigte sich jedoch unzufrieden, da er den Titel in Reichweite sah.
Gold ging an Tobias Potye von Munich Athletics, der ebenfalls 2,15 Meter meisterte. Die Fehlversuchsregel entschied zugunsten von Potye, da er die Höhe bereits im ersten Versuch überquerte, während Wendrich zwei Anläufe benötigte. Wendrich hatte sich nach seinem erfolgreichen Sprung über 2,15 Meter noch Hoffnungen auf die direkte EM-Norm gemacht, für die 2,23 Meter erforderlich sind.
Beide Springer scheiterten an 2,19 Metern. Potye musste den Wettkampf nach einer Verletzung an der Schläfe abbrechen, die er sich beim Anlauf zuzog. Wendrich zeigte Mitgefühl für seinen Rivalen und äußerte, dass er mit dem Wettkampf „absolut nicht zufrieden“ sei, da er sich körperlich stark gefühlt habe und den Sieg auf dem „Goldtablett serviert“ bekommen habe.
Source: t-online.de
