Pogacars historischer Erfolg
Tadej Pogacar hat am 26. Juli 2026 Radsportgeschichte geschrieben, indem er zum fünften Mal die Tour de France gewann. Der 27-jährige Slowene reiht sich damit in eine exklusive Gruppe von Fahrern ein, die ebenfalls fünf Tour-Siege errungen haben: Jacques Anquetil, Eddy Merckx, Bernard Hinault und Miguel Indurain. Bemerkenswert ist, dass Pogacar bei seinem fünften Triumph jünger war als jeder der anderen vier Legenden.
Pogacar äußerte sich nach seinem Sieg überwältigt: „Was für ein unglaublicher Tag, ich bin sprachlos. Eine unglaubliche Atmosphäre! Ich bin froh, dass es vorbei ist und wir zum fünften Mal gewonnen haben. Siebenmal die Tour, siebenmal auf dem Podium, das kann man in kein Drehbuch schreiben. Das ist auch für mich unglaublich. Das Wichtigste ist, dass du genießt, was du tust. Wenn du an dich glaubst, kann du deine Träume wahrmachen.“
Dieser fünfte Sieg markiert einen Höhepunkt in Pogacars Karriere und zeigt eine neue Dimension seiner Dominanz. Er gewann seine dritte Tour in Serie und erreichte den größten Vorsprung auf seine Rivalen, mit 6:26 Minuten Vorsprung vor Remco Evenepoel in der Gesamtwertung. Obwohl er den ersehnten Etappensieg auf den Champs-Élysées verpasste, erfüllte der Weltmeister seine Favoritenrolle souverän.
Eine neue Facette zeigte der 27-Jährige während der gesamten Rundfahrt: Er präsentierte sich als fürsorglicher Mentor für Teamkollegen wie Isaac del Toro, dessen dritte Gesamtplatzierung er auf der 20. Etappe in Alpe d’Huez sicherte. Pogacar verzichtete auf eigene Siegchancen, um del Toro zu unterstützen, was seine Entwicklung vom „Kannibalen“ zum „Kumpel“ unterstreicht. Er bestätigte im Interview, dass das Finale in Barcelona, wo er del Toro den Tagessieg überließ, ein Highlight der Tour war.
Trotz dieser Selbstlosigkeit ist Pogacar weiterhin auf Rekordjagd und äußerte am Eurosport-Mikrofon auf den Champs-Élysées, dass er den nächsten Gesamtsieg fest im Blick hat, um 2027 alleiniger Rekordchampion der „Grande Boucle“ zu werden. Seine Dominanz wirft jedoch auch Fragen auf, insbesondere nach seiner Rekordfahrt in Alpe d’Huez und einer richterlich freigegebenen nächtlichen Dopingkontrolle.
Etappensieg und weitere Auszeichnungen
Die 21. und letzte Etappe der Tour de France, die von 133 auf 89 Kilometer verkürzt wurde, sah den Sieg des Niederländers Mathieu van der Poel. Er setzte sich wenige Kilometer vor dem Ziel von Pogacar ab und rettete seinen zweiten Etappensieg um Zentimeter über die Linie, nachdem beide nur 50 Meter vor dem Ziel gestellt wurden. Van der Poel, der letztes Jahr krankheitsbedingt die Etappe nur im Fernsehen verfolgen konnte, bezeichnete seinen Sieg als „Traum“.
Der Anstieg zur Basilika Sacré-Cœur blieb Teil der Strecke und zog erneut Tausende von Zuschauern an, die die Fahrer säumten. Dieser Abschnitt, der bereits bei den Olympischen Spielen 2024 Kultstatus erlangte, ist auch der Grund, warum die Sieger-Pressekonferenz nach der letzten Etappe stattfindet.
Das Sprinttrikot sicherte sich der Däne Mads Pedersen vom Team Lidl Trek. Bester Bergfahrer wurde der Ecuadorianer Richard Carapaz. Das Weiße Trikot des besten Nachwuchsfahrers ging an den Mexikaner Isaac del Toro vom Team UAE Emirates, der damit Florian Lipowitz ablöste. Die Mannschaftswertung gewann Lidl Trek, obwohl kein deutscher Fahrer im Aufgebot war. Der beste deutsche Fahrer in der Gesamtwertung war Felix Engelhardt auf dem 70. Platz.
Dramen und deutsche Durststrecke
Die Tour de France 2026 war auch von mehreren Stürzen geprägt, die das sportliche Spektakel in den Hintergrund rückten und an die Risiken des Radsports erinnerten. Die Ausfälle von Jonas Vingegaard und Florian Lipowitz führten dazu, dass der Kampf um die Podiumsplätze hinter Pogacar von einem Fünfkampf zu einem Duell zwischen del Toro und Paul Seixas um den dritten Platz wurde.
Besonders beängstigend waren die Momente, als Sepp Kuss auf dem Weg nach Alpe d’Huez nur anderthalb Meter vom Sturz in den Abgrund entfernt war und Einer Rubio sich an einer zersplitternden Heckscheibe schwer am Hals hätte verletzen können. Diese Vorfälle hätten als „schwarze Tage“ in die Tour-Geschichte eingehen können.
Für die deutschen Starter setzte sich die Durststrecke fort, da seit dem Erfolg von Nils Politt im Jahr 2021 kein deutscher Etappensieg mehr erzielt wurde. Obwohl Sprinter Max Kanter einige Achtungserfolge verbuchen konnte, blieb ein Sieg aus. Das Dilemma besteht darin, dass Fahrer wie Politt oder Nico Denz zwar das Potenzial hätten, aber in ihren Helferrollen gefangen sind. Auch Florian Lipowitz, ein herausragender Rundfahrer, ist mangels Explosivität kein „Sieg-Sammler“.
Die Tagessiege bei der Tour 2026 waren fast ausschließlich Superstars und Sprintern vorbehalten, während Ausreißer oder Außenseiter kaum zum Zug kamen. Dies zeigt sich an den Namen der Etappensieger: Pogacar, del Toro, Evenepoel, van der Poel, Pedersen, Carapaz, sowie die Sprinter Merlier, Philipsen, Wärensskjold und Kooij. Lediglich der Schweizer Mauro Schmid konnte diese Phalanx durchbrechen.
Als Trost bleibt, dass auch drei der größten Radsportnationen – Frankreich, Spanien und Italien – ohne Tagessieg blieben. Dies ist eine historische Premiere, da seit dem Beginn der Tour de France im Jahr 1903 noch nie alle drei dieser „Gründungsnationen“ ohne Etappenerfolg blieben. Diese Serie endete nach 302 Grand Tours.
Pogacar könnte bald wieder in Aktion treten, da er dem spanischen König Felipe VI. zugesagt haben soll, ab dem 22. August bei der Vuelta zu starten. Die Spanien-Rundfahrt fehlt noch in seiner Liste der Triumphe.
Source: bild.de
