Tamara Korpatsch (31) hat sich bei den Hamburg Ladies Open (WTA 250) ihren ersten Heimsieg gesichert. Die Hamburgerin triumphierte im Finale mit 6:3, 6:3 gegen Anna Bondar (29) aus Ungarn. Dieser Erfolg markiert ihren zweiten Titel auf der WTA-Tour und den ersten deutschen Sieg am Rothenbaum seit Steffi Graf im Jahr 1992.
Nach ihrem Sieg umarmte Korpatsch ihren Trainer-Vater Thomas und ihre Mutter Birgit. Auch ihr Hundemädchen Stella erhielt einen Kuss. Korpatsch äußerte sich glücklich über den Erfolg und beschrieb ihre Nervosität vor dem Match. Sie führte im ersten Satz schnell mit 4:1 und erzielte im zweiten Satz im fünften Spiel das entscheidende Break. Nach 1:27 Stunden war der Sieg besiegelt.
Für ihren Erfolg erhielt Korpatsch ein Preisgeld von 32.520 Euro. In der neuen Weltrangliste macht sie einen Sprung um 35 Plätze auf Rang 46, was einen Karrierebestwert darstellt. Damit ist sie ab Montag auch wieder die deutsche Nummer eins.
Ein besonderer Heimsieg
Turnierdirektorin Sandra Reichel zeigte sich ebenfalls erfreut über den Sieg von Korpatsch. Reichel bezeichnete den Heimsieg als ein „Märchen“, da Korpatsch nie als Supertalent galt und keine Förderung vom Deutschen Tennis-Bund (DTB) erhielt. In ihren Anfangsjahren reiste sie mit ihrem Vater von Turnier zu Turnier und übernachtete zur Kostenersparnis im Auto. Während der Corona-Zeit trainierten sie auf einem Parkplatz eines Möbelhauses.
Andrea Petković, Turnierbotschafterin, betonte, dass Korpatsch immer etwas im Schatten stand und der jetzige Erfolg fast zu schön sei, um wahr zu sein. Korpatsch selbst erinnerte sich daran, wie sie als Kind mit der Hamburg-Fahne auf den Center Court einlief und oft gefragt wurde, ob sie die nächste Steffi Graf werden würde. Sie empfindet es als Ehre, die nächste Deutsche nach Graf zu sein, die in Hamburg gewonnen hat, und hob die Bedeutung des Titels in ihrer Heimatstadt und bei ihrem Heimatklub hervor.
Nach ihrem ersten WTA-Titel 2023 in Cluj-Napoca/Rumänien war Korpatsch aufgrund von Krankheiten und Verletzungen bis auf Platz 185 der Welt zurückgefallen. Sie beschrieb den Weg zurück als sehr schwer und betonte, dass sie es als einzige Tennisspielerin nur mit ihrer Familie bis hierher geschafft habe.

Turnierentwicklung und Ausblick
Die Hamburg Ladies Open wurden nach 19 Jahren Pause im Jahr 2021 von Sandra Reichel und ihrem Vater Peter-Michael wiederbelebt. Reichel betonte, dass das Turnier mehr als nur ein Tennis-Event sei und die Sichtbarkeit des Frauensports erhöhen wolle. Der DTB-Präsident Dietloff von Arnim hob die Bedeutung des Turniers als Bühne für deutsche Talente hervor, wobei insgesamt acht Spielerinnen das Hauptfeld erreichten.
Trotz des Erfolgs war die Anlage unter der Woche meist leer. Insgesamt kamen rund 20.000 Fans an den Rothenbaum, einschließlich des Finalsonntags. Reichel verglich die Situation mit einem Start-up und zeigte sich überzeugt, dass viele Samen gesät wurden, insbesondere nach dem Ende des Doppel-Events mit den Herren im Jahr 2024.
Der Vertrag mit dem Titelsponsor „MSC“ läuft nach zwei Jahren aus. Reichel plant, sich im Herbst mit MSC und der Stadt Hamburg zusammenzusetzen und ist zuversichtlich bezüglich einer Fortsetzung. Der Termin für 2027 steht noch nicht fest; Reichel würde das Turnier gerne im Kalender eine Woche vorrücken, direkt nach dem Rasen-Klassiker in Wimbledon. Eine Entscheidung der WTA wird voraussichtlich rund um die US Open (23.8. – 13.9.) erwartet.
Vor dem Finale fand ein Showmatch zwischen Turnierbotschafterin Andrea Petković und der ehemaligen Weltranglisten-Ersten Martina Hingis statt, das Hingis in drei verkürzten Sätzen gewann. Bei den erstmals ausgetragenen Hamburg Wheelchair Open besiegte Lizzy de Greef im niederländischen Finalduell Aniek van Koot mit 6:2 und 6:2.
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