Uefa erwägt Boykott von Fifa-Wettbewerben nach Privatisierungsplänen

Uefa erwägt Boykott von Fifa-Wettbewerben nach Privatisierungsplänen

Die Uefa erwägt Berichten zufolge einen Boykott von Fifa-Wettbewerben, darunter die Weltmeisterschaft und die Klub-WM. Diese Überlegungen folgen auf die Bekanntgabe von Plänen des Fifa-Präsidenten Gianni Infantino, die eine Privatisierung der Fußball-WM durch die Einbeziehung von Investoren vorsehen.

Laut einem Bericht von Bloomberg wird innerhalb der Uefa diskutiert, wie Vereine und Mitgliedsverbände Fifa-Veranstaltungen boykottieren könnten. Ein solcher Boykott würde bedeuten, dass europäische Top-Nationen wie Deutschland oder Spanien nicht an einer WM-Endrunde teilnehmen würden. Bei der jüngsten WM in den USA, Kanada und Mexiko stammten sechs der acht Viertelfinalisten aus Europa.

Reaktion auf Privatisierungspläne

Die Pläne der Fifa sehen vor, dass Investoren Minderheitsanteile an einem Unternehmen erwerben, das die kommerziellen Rechte an den wichtigsten Fifa-Wettbewerben, einschließlich der Männer- und Frauen-WM sowie der Klub-WM, übernimmt. Die Fifa würde dabei Mehrheitsgesellschafter bleiben. Es wird erwartet, dass private Investoren zunächst 20 bis 30 Prozent der Anteile erwerben und dafür mehrere Milliarden US-Dollar zahlen könnten. Alle 211 Fifa-Mitgliedsverbände sollen ebenfalls kleinere Anteile erhalten.

Die Uefa hat bereits scharf auf diese Pläne reagiert. In einer Stellungnahme hieß es, dass damit eine Grenze überschritten werde, die die Führungsgremien des Fußballs niemals überschreiten sollten. Die Uefa nehme die Angelegenheit äußerst ernst und fordere alle nationalen Fußballverbände, Ligen, Vereine, Spieler, Fans und Regierungen auf, dies ebenfalls zu tun.

Die Fifa versucht, die Bedenken zu zerstreuen und betont, dass die WM-Endrunde unter ihrer Kontrolle bleiben werde. Investoren dürften lediglich Minderheitsanteile ohne Kontrollbefugnisse erwerben. Die Fifa verspricht erhebliche wirtschaftliche und infrastrukturelle Vorteile für ihre Mitglieder durch die Pläne.

Bedenken und mögliche Folgen

Die europäischen Top-Klubs und Spieler wie Rodri von Manchester City haben sich bereits über die Überlastung der Spieler und die zunehmende Verletzungsgefahr beklagt. Die Einführung der Klub-WM im vergangenen Jahr, bei der eine Milliarde US-Dollar an die 32 teilnehmenden Mannschaften ausgeschüttet wurden, wurde von der Uefa als direkter Angriff auf die Champions League wahrgenommen.

Ein Boykott der Fifa-Wettbewerbe durch die Uefa würde bedeuten, dass die WM und die Klub-WM ohne einen Großteil ihrer größten Zugpferde auskommen müssten. Dies könnte den Druck erhöhen, das Teilnehmerfeld einer WM weiter auszubauen oder die WM häufiger als bisher auszutragen.

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Will nächstes Jahr wiedergewählt werden: Gianni Infantino.(Foto:picture alliance / Kyodo) Credit: n-tv.de

Offizielle Stellungnahmen zu den Boykottplänen gibt es von der Uefa bisher nicht, auch die Fifa hält sich öffentlich noch zurück.

Source: bild.de

Jonas Keller

Sportredakteur mit Schwerpunkt Fußball und internationale Wettbewerbe.