Enttäuschung und Abreise nach dem WM-Aus
Nach dem unerwartet frühen Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft im Sechzehntelfinale der Weltmeisterschaft 2026 gegen Paraguay ist die Enttäuschung bei Spielern und Fans groß. Die Spieler haben begonnen, das WM-Quartier in Winston-Salem zu verlassen, und die Aufarbeitung des Debakels hat bereits begonnen. Angreifer Deniz Undav drückte seine Gefühle via Instagram aus: „Wir haben Deutschland enttäuscht. Das sitzt. Mehr gibt es gerade nicht zu sagen.“
Auch Florian Wirtz, Kai Havertz und Nick Woltemade äußerten sich in den sozialen Medien. Woltemade, der im Elfmeterschießen scheiterte, schrieb: „Ehrlich… dass meine erste WM so zu Ende geht, trifft mich hart.“ Er bedankte sich bei den Fans für die aufbauenden Worte. Woltemade, ein Spieler von Newcastle United, wurde im Sechzehntelfinale in der 88. Minute eingewechselt und hatte zuvor keinen WM-Einsatz.
Sportschau-Reporter Alexander Schlüter berichtete von einer großen Leere bei den Spielern nach der Niederlage. Er bemerkte, dass nur Joshua Kimmich Wut zeigte, während Tränen, Wut oder Schreie bei den anderen Spielern fehlten. Schlüter beschrieb auch die Anspannung von Bundestrainer Julian Nagelsmann, der im Vergleich zu seiner Zeit bei Bayern weniger gelächelt und gesprochen habe.
Kritik und finanzielle Auswirkungen
Die Kritik am DFB-Team und insbesondere an Julian Nagelsmann ist nach dem Ausscheiden deutlich. Thomas Hitzlsperger äußerte in der Sportschau Bedenken hinsichtlich Nagelsmanns Souveränität und seiner wiederholten verbalen Patzer. DFB-Präsident Bernd Neuendorf ließ die Zukunft des Bundestrainers offen und betonte, dass man nach einem solchen Tiefschlag nicht einfach zur Tagesordnung übergehen könne.

Ehemalige Nationalspieler äußerten sich ebenfalls kritisch. Bastian Schweinsteiger bemängelte das „fehlende fußballerische Element, mangelnde Kreativität und unsauberes Passspiel“. Der frühere Bundestrainer Jürgen Klinsmann bezeichnete das Ausscheiden als „niederschmetternd, eine Peinlichkeit“ und forderte Konsequenzen. Auch Dietmar Hamann kritisierte Nagelsmann scharf, indem er sagte: „Offensichtlich ist es der Trainer. Es ist der Job eines Trainers, die Jungs zusammenzubekommen.“
Das frühe WM-Aus hat auch erhebliche finanzielle Folgen für den DFB. Der Verband verpasst durch das Ausscheiden im Sechzehntelfinale mehrere Millionen US-Dollar. Für das Erreichen der ersten K.-o.-Runde erhält der DFB von der FIFA 11 Millionen US-Dollar. Das Achtelfinale hätte vier Millionen Dollar zusätzlich eingebracht, und weitere vier Millionen wären für das Viertelfinale hinzugekommen. Der künftige Weltmeister erhält eine Prämie von 50 Millionen US-Dollar, während der unterlegene Finalist 33 Millionen erhält.
Bereits vor dem Turnier hatte DFB-Geschäftsführer Andreas Rettig darauf hingewiesen, dass es für eine europäische Nation ohne Halbfinaleinzug schwierig sein würde, „wirtschaftlich schwarze Zahlen zu schreiben“. Das Vorrundenaus in Russland im Jahr 2018 und in Katar im Jahr 2022 hatte bereits zu erheblichen finanziellen Einbußen geführt. Insgesamt werden bei der WM 2026 871 Millionen US-Dollar an die 48 Teams ausgeschüttet, wobei jeder Teilnehmer, einschließlich des DFB, mit 10 Millionen US-Dollar Startgeld und 2,5 Millionen Dollar für Vorbereitungskosten planen konnte.
Kontroverse Schiedsrichterentscheidungen und Fanreaktionen
Das Spiel gegen Paraguay war auch von kontroversen Schiedsrichterentscheidungen geprägt. Ein nach Videobeweis aberkanntes Tor von Jonathan Tah zum vermeintlichen 2:1 sorgte für große Aufregung. Laut Daten-Analysten von Google gehörten Suchanfragen wie „Wo kann man Beschwerde gegen FIFA-Schiedsrichter einreichen?“ und „Kann man eine Schiedsrichterentscheidung rückgängig machen?“ zu den häufigsten Suchbegriffen.

Der Schiedsrichter Jalal Jayed hatte nach einem Eckball ein Foul vor dem Kopfball von Tah gesehen, obwohl er das angebliche Vergehen live nicht bemerkt hatte und erst seine Kollegen am Bildschirm darauf hinwiesen. Patrick Ittrich kommentierte bei Magenta TV, dass ihm die Entscheidung zu kleinlich sei, da er kein Wegstoßen oder Festhalten erkennen konnte.
Der paraguayische Torwart Orlando Gill, der 1,99 Meter misst, wurde mit zwei gehaltenen Elfmetern zum Helden des Spiels. Er hatte jeden Spieler und jedes Detail analysiert, was ihm bei der Qualifikation entscheidend half. Die Enttäuschung der deutschen Fans in Boston war groß, und viele kritisierten Julian Nagelsmann. Kurioserweise stieg die Suchanfrage „Paraguay Urlaub“ innerhalb von zwölf Stunden um 800 Prozent an, was zeigt, dass einige Nutzer bereits über neue Reiseziele nachdachten.
Nach einer letzten kurzen Nacht im WM-Camp in Winston-Salem begannen die Vorbereitungen für die individuelle Heimreise der Spieler, nachdem es am Vormittag noch ein Abschlussmeeting mit Nagelsmann gab.
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Source: sportschau.de
