Neuer beendet Nationalmannschaftskarriere nach WM-Aus, Baumann als moralischer Gewinner

Neuer beendet Nationalmannschaftskarriere nach WM-Aus, Baumann als moralischer Gewinner

Nationalmannschaftskarriere von Manuel Neuer beendet

Nach dem Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft im Sechzehntelfinale der Weltmeisterschaft hat Torhüter Manuel Neuer seine Karriere in der Nationalmannschaft beendet. Auf die Frage, ob dies sein letztes Länderspiel gewesen sei, antwortete der FC Bayern München-Spieler leise mit „Ja“. Dies markiert das zweite Mal, dass der Weltmeister von 2014 sich aus der Nationalmannschaft verabschiedet.

Neuer hatte seine DFB-Karriere bereits zuvor beendet. Bundestrainer Julian Nagelsmann überzeugte den Torhüter jedoch zu einem Comeback für die Weltmeisterschaft. Die Hoffnung war, dass der Rekordtorhüter der deutschen Mannschaft erneut Sicherheit verleihen könnte. Dieser Plan ging jedoch nicht auf, obwohl Neuer im Elfmeterschießen gegen Paraguay einen Strafstoß hielt und Deutschland kurzzeitig im Turnier hielt. Die DFB-Elf schied dennoch im Sechzehntelfinale aus.

Der 40-Jährige konnte im Elfmeterschießen einen Strafstoß halten, zeigte aber ansonsten keine herausragende Leistung im Turnier. In jedem seiner letzten zehn WM-Spiele kassierte Neuer einen Gegentreffer, ein Wert, den er sich mit Mexikos Antonio Carbajal teilt, der zwischen 1950 und 1962 in jedem seiner WM-Einsätze Gegentore hinnehmen musste.

Neuer war bei den vergangenen WM-Turnieren 2018, 2022 und nun 2026 ein Gesicht für das frühe Scheitern des DFB-Teams. Die Rückholaktion von Neuer wurde von einigen als unnötig angesehen. Oliver Baumann, der die DFB-Elf souverän durch die WM-Qualifikation geführt hatte, wurde zum Reservisten degradiert.

Oliver Baumann als moralischer Gewinner

Oliver Baumann, der Torwart der TSG Hoffenheim, wird trotz der sportlichen Demütigung als moralischer Gewinner der WM angesehen. Der 36-Jährige verhielt sich zu jedem Zeitpunkt professionell, loyal und mannschaftsdienlich. Er verzichtete auf öffentliche Kritik und stellte den Teamgedanken vor persönliche Interessen.

Baumann zeigte während der WM seine Werte wie Bescheidenheit, Disziplin und Fairplay. Nach der Vorrunden-Niederlage gegen Ecuador veröffentlichte er einen Social-Media-Beitrag, in dem er betonte, dass das Team aus der Niederlage lernen und sich auf das nächste Spiel konzentrieren werde, und forderte Unterstützung.

Die Entscheidung, Neuer zurückzuholen, wird von einigen kritisiert, da Baumann dadurch um WM-Einsätze gebracht wurde. Es wird gehofft, dass Baumann in Zukunft die verdiente Wertschätzung vom DFB erfahren wird.

Ein enttäuschter Oliver Baumann nach dem WM-Aus
Ein enttäuschter Oliver Baumann nach dem WM-Aus Credit: swr.de

Forderungen nach einem Generationswechsel

Stefan Effenberg bezeichnete das Ausscheiden im Sechzehntelfinale als „Vollkatastrophe“ für die deutsche Nationalmannschaft. Er fordert einen schonungslosen Umbruch und eine radikale Verjüngungskur, beginnend im Tor.

Effenberg schlägt vor, dass Jonas Urbig vom FC Bayern beim nächsten Länderspiel die neue Nummer 1 im Tor sein sollte. Er ist der Meinung, dass das Kapitel Manuel Neuer beim DFB endgültig geschlossen sein sollte und eine Rückkehr zum 36-jährigen Oliver Baumann langfristig keinen Sinn ergebe.

Jonas Urbig war in der abgelaufenen Saison die Nummer zwei hinter Neuer beim FC Bayern und kam auf 20 Einsätze wettbewerbsübergreifend. Trotz der erneuten Vertragsverlängerung des ehemaligen Welttorhüters soll Urbig perspektivisch zum Stammkeeper bei den Bayern aufgebaut werden.

Effenberg fordert nicht nur im Tor einen Neustart. Er merkte an, dass acht Spieler im WM-Kader 30 Jahre oder älter waren und vier weitere in diesem Jahr noch 30 werden. Er sieht dies als den richtigen Zeitpunkt, um konsequenter auf jüngere Spieler zu setzen.

Als zukünftige Eckpfeiler in der Defensive nennt er Nathaniel Brown, Malick Thiaw und Nico Schlotterbeck. Auf dem rechten Flügel soll Lennart Karl gesetzt sein, der zusammen mit Said El Mala, Florian Wirtz und Jamal Musiala ein junges und hungriges Offensivgespann bilden könnte.

Der aktuelle Kader hat ein Durchschnittsalter von 28,1 Jahren. Zum Ü30-Klub gehören derzeit Manuel Neuer (40), Oliver Baumann (36), Jonathan Tah (30), Antonio Rüdiger (33), Joshua Kimmich (31), Leon Goretzka (31), Pascal Groß (35) und Leroy Sané (30). Julian Nagelsmann erklärte nach dem Ausscheiden, dass er bereitstehe, sollte sich der DFB dafür entscheiden, während von Spielerseite, abgesehen vom scheidenden Neuer, noch keine weiteren Rücktrittsmeldungen vorlagen.

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Source: bild.de

Jonas Keller

Sportredakteur mit Schwerpunkt Fußball und internationale Wettbewerbe.