Nach dem frühen Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft herrscht weiterhin große Enttäuschung. Joshua Kimmich äußerte sich tief betroffen über das Turnier-Aus und betonte, dass er Zeit benötigen werde, um darüber hinwegzukommen. Gleichzeitig prangerte das DFB-Team Rassismus und Hasskommentare in den sozialen Medien an.
Philipp Lahm, ein früherer Weltmeisterkapitän, forderte eine umfassende Überprüfung nach dem Scheitern der Nationalmannschaft. Er zeigte sich fassungslos über das Ausscheiden im Elfmeterschießen der ersten K.o.-Runde gegen Paraguay. Lahm betonte die Notwendigkeit einer klaren Spielidee und Kontinuität im deutschen Fußball, die seiner Meinung nach seit längerer Zeit fehle.
Reaktionen der Spieler und des DFB
Joshua Kimmich, der bei den letzten drei Turnier-Pleiten der Nationalmannschaft dabei war, darunter das Ausscheiden in der Gruppenphase bei den Turnieren 2018 und 2022 sowie nun in der ersten K.o.-Runde gegen Paraguay, äußerte seinen Frust. Er beschrieb die Situation als etwas, das ihn „fertig macht“, bekräftigte jedoch, dass ein Rücktritt aus der Nationalmannschaft für ihn keine Option sei. Kimmich schrieb an die Fans, dass das Team ihnen und sich selbst gerne mehr zurückgegeben hätte, und betonte, dass er stolz sei, Kapitän der Mannschaft zu sein.
Das DFB-Team nutzte seine Social-Media-Kanäle, um sich bei den Fans für die Unterstützung zu bedanken, übte aber auch Selbstkritik am frühen Ausscheiden. In einem Post auf Instagram mit 7,6 Millionen Followern wurde jedoch auch Rassismus und andere Diskriminierungen scharf verurteilt. Der Verband stellte klar, dass Kritik an den Leistungen berechtigt sei und zum Sport gehöre, Hass und Diskriminierung jedoch nicht akzeptiert würden. Der Fußball stehe für Gemeinschaft und Zusammenhalt, nicht für Spaltung.
Auch Nico Schlotterbeck teilte seine emotionalen Gedanken nach dem WM-Aus. Er beschrieb die Situation als „einfach richtig scheiße“ und äußerte, dass sich alles zusammengebrochen anfühle, wofür er lange gearbeitet habe. Schlotterbeck hatte sich im Spiel gegen die Elfenbeinküste einen Bänderriss im linken Knöchel zugezogen, was ihn daran hinderte, dem Team zu helfen. Er kündigte an, alles für ein schnelles Comeback zu geben und stärker zurückzukommen.
Ein kryptischer Beitrag von Said El Mala auf TikTok sorgte ebenfalls für Diskussionen. Der Offensivspieler des 1. FC Köln, der von Bundestrainer Julian Nagelsmann nicht für die Weltmeisterschaft nominiert wurde, postete eine Bildergalerie mit der Frage: „Hat sich das gelohnt?“ Viele Fans deuteten dies als versteckte Botschaft an den Bundestrainer, da El Mala bereits im vergangenen November erstmals für die A-Nationalmannschaft nominiert, aber nicht eingesetzt worden war.
Forderungen nach Veränderungen und Kritik von Legenden
Philipp Lahm betonte, dass sich der deutsche Fußball Gedanken darüber machen müsse, wie er offensiv und defensiv agieren wolle. Er verwies auf Topnationen wie Spanien, Frankreich und Argentinien, die seit Jahren eine klare Spielweise verfolgten. Lahm forderte, dass der Deutsche Fußball-Bund (DFB) eine zukünftige Spielweise und Idee definieren müsse und danach entscheiden solle, ob der aktuelle Trainer oder das Trainerteam dafür geeignet sei. Julian Nagelsmann hatte zuvor erklärt, seinen Vertrag bis 2028 erfüllen zu wollen.
Toni Kroos und Michael Ballack äußerten ebenfalls scharfe Kritik. Kroos erklärte in seiner TikTok-Sendung „Kroos & Kroos: die WM unter der Lupe“, dass die deutsche Mannschaft aktuell keinen einzigen Weltklasse-Spieler habe, sondern lediglich Spieler mit Weltklasse-Potenzial. Er vermisse die Fähigkeit, in entscheidenden Momenten einen Gang hochzuschalten, und führte dies auf Unsicherheit oder Selbstüberschätzung zurück.
Michael Ballack beklagte, dass die traditionellen deutschen Tugenden verloren gegangen seien. Er bemängelte, dass die Mannschaft nicht mehr in der Lage sei, schwierige Situationen zu meistern, und dass nach einem Gegentor oder Fehler das „Kartenhäuschen zusammenbricht“. Ballack betonte die Bedeutung der Selbstverantwortung der Spieler auf dem Platz, auch wenn der Trainer eine wichtige Rolle spiele. Er forderte, dass die Spieler sich in die Augen schauen und wissen müssten, auf wen sie sich verlassen können.
Die FIFA meldete derweil einen starken Anstieg rassistischer Kommentare in den sozialen Medien während der Weltmeisterschaft. Elf Prozent aller als beleidigend eingestuften Beiträge seien rassistischer Natur, was einen Zuwachs von drei Prozent im Vergleich zur WM in Katar 2022 darstelle. Rund 1.000 Accounts wurden an Strafverfolgungsbehörden gemeldet.
Eine neue Regel bezüglich des Verdeckens des Mundes bei Disputen führte zu einer weiteren Roten Karte bei der Weltmeisterschaft. Piero Hincapié von Ecuador erhielt in der Nachspielzeit des Spiels gegen Mexiko eine Rote Karte, nachdem er sich im Wortgefecht mit Santiago Giménez den Mund verdeckt hatte. Dies war bereits der zweite Vorfall dieser Art im Turnier, nachdem zuvor Miguel Almirón aus Paraguay wegen derselben Geste des Feldes verwiesen wurde.
Das DFB-Team bedankte sich am Ende seines Schreibens nochmals bei den Fans und versprach, es wieder besser zu machen.
Read Also
Source: web.de
