England hat sich in einem hart umkämpften WM-Viertelfinale gegen Norwegen durchgesetzt. Das Team von Trainer Thomas Tuchel gewann nach Verlängerung mit 2:1, wobei Jude Bellingham beide Tore für die Engländer erzielte. Trotz des Sieges zeigte sich Tuchel nach dem Spiel unzufrieden mit der Leistung seiner Mannschaft und sprach von einem glücklichen Sieg.
Das Spiel in Miami begann nach einer anfänglichen Abtastphase mit einer Überraschung. Nach einer Hydration Break wagten sich die Norweger in die Offensive und Andreas Schjelderup brachte sein Team in der 36. Minute mit einem präzisen Distanzschuss in Führung. Die Skandinavier drängten danach auf einen zweiten Treffer, doch Alexander Sörloth verpasste eine Abspielgelegenheit auf den freistehenden Erling Haaland.
Kurz vor der Halbzeitpause fand England wieder ins Spiel. Jude Bellingham gelang in der 45.+2 Minute der Ausgleichstreffer. Ein vermeintlicher Führungstreffer der Engländer kurz vor dem Pausenpfiff wurde jedoch wegen einer Abseitsposition des Bayern-Stars zu Recht nicht anerkannt.
Nach dem Seitenwechsel kamen die Norweger besser aus der Kabine. Ein Treffer von Verteidiger Torbjörn Heggem nach einer Ecke wurde vom VAR annulliert, da Haaland seinen Gegenspieler vor der Ausführung geschubst hatte. Dieser harte Entscheid stachelte die Norweger weiter an, und Kristoffer Ajer traf mit einem Kopfball nur die Latte, wodurch das Spiel in die Verlängerung ging.
In der Verlängerung ereignete sich in der 93. Minute die entscheidende Szene. Nach einem Distanzschuss des eingewechselten Morgan Rogers ließ Norwegens Torhüter Orjan Nyland den Ball nach vorne abprallen. Jude Bellingham nutzte die Gelegenheit und staubte zum 2:1 ab, was ihn zum Doppeltorschützen des Abends machte und den Traum Englands vom WM-Halbfinale am Leben hielt.

Die Bedingungen in Miami waren herausfordernd, mit 31 Grad und über 60 Prozent Luftfeuchtigkeit zu Spielbeginn. Die Notwendigkeit der Hydration Break war unter diesen Umständen unbestreitbar. Befürchtete Gewitter, die sogar eine Spielverschiebung hätten erzwingen können, blieben glücklicherweise aus.
Eine weitere Diskussionsgrundlage bot ein Vorfall in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit. Ein Abstoß von Norwegens Keeper Nyland fiel ungewöhnlich schnell zu Boden und direkt zu Englands Elliot Anderson. Kamerabilder deuteten darauf hin, dass der Ball ein Kabel der Spidercam berührt haben könnte. Schiedsrichter Clément Turpin unterbrach die Partie jedoch nicht, und England erzielte kurz darauf den Ausgleich.
Tuchels Kritik und Bellinghams Reaktion
Trotz des Sieges zeigte sich Englands Nationaltrainer Thomas Tuchel nach dem Spiel sehr kritisch. Er sprach von einem Wutausbruch und betonte, dass es sich seine Mannschaft „sehr, sehr schwer gemacht“ habe. Tuchel war mit dem Auftreten seines Teams „in jeglicher Hinsicht“ unzufrieden und monierte zu viele technische Fehler, ein schlampiges Spiel und mangelnde Schnelligkeit. Er bezeichnete den Sieg als glücklich.

Auf eine Frage nach der Mentalität seiner Mannschaft reagierte der Trainer aufgebracht und geriet in ein Wortgefecht mit dem Interviewer. Er betonte, dass die gezeigte Mentalität „pure Mentalität“ sei und man sie „in Flaschen abfüllen und verkaufen“ könnte. Über Doppeltorschütze Jude Bellingham wollte Tuchel nicht in ausführliche Lobeshymnen verfallen, da bereits „genug“ über den Star gesprochen worden sei. Er fügte hinzu: „Er macht das jedes Spiel, Weltklasse.“
Jude Bellingham selbst schloss sich der Kritik seines Trainers nicht an. Er betonte, dass das Team auch in schwierigen Phasen einen Weg zum Sieg gefunden habe. Bellingham sprach den Spielern, die auf dem Platz standen, seine Anerkennung aus und hob hervor, dass sie eine „sehr harte Schicht“ hinter sich gebracht hätten.
Ausblick auf das Halbfinale
Für England geht es im WM-Halbfinale weiter. Der nächste Gegner wird der Sieger des Viertelfinales zwischen Argentinien und der Schweiz sein. Das Halbfinale findet möglicherweise am kommenden Mittwoch um 21 Uhr Schweizer Zeit in Atlanta statt. Thomas Tuchel betonte mit Blick auf die kommende Partie: „Wir müssen besser werden.“ Er forderte einen „besseren Auftritt“ von seiner Mannschaft.
Die Schweiz muss sich dafür jedoch erst noch gegen Argentinien durchsetzen, in einem Spiel, das am Sonntag um 3 Uhr Schweizer Zeit angesetzt ist.
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Source: blick.ch
