Deutscher Politiker fordert Stadionverbot für Infantino

Deutscher Politiker fordert Stadionverbot für Infantino

Ein deutscher Politiker hat ein bundesweites Stadionverbot für FIFA-Präsident Gianni Infantino gefordert. Sascha Binder, Fraktionschef der SPD in Baden-Württemberg, äußerte diese Forderung in einem Schreiben an DFB-Präsident Bernd Neuendorf. Hintergrund sind Infantinos Pläne, Anteile an den kommerziellen Rechten der Fußball-Weltmeisterschaft an private Investoren zu veräußern.

Binder bezeichnete Infantinos Vorschlag als einen „neuen Tiefpunkt in einer Reihe von Fehlern und fatalen Entscheidungen“. Er bat Neuendorf, ein symbolisches Zeichen zu setzen, indem die deutschen Fußballvereine ein bundesweites Stadionverbot für Infantino verhängen. Dies solle verdeutlichen, dass Vereine und der DFB nicht länger bereit seien, den Fußball durch Akteure ruinieren zu lassen, die primär an Profit statt am Sport interessiert sind.

Kritik an Kommerzialisierungsplänen

Die Pläne der FIFA sehen vor, dass private Geldgeber rund 20 Prozent der Anteile an einem neu zu gründenden Tochterunternehmen namens FIFA Forward Enterprise (FFE) erwerben können. Der Wert dieses Unternehmens wird zunächst auf insgesamt 20 Milliarden Dollar festgelegt. Im FFE sollen die kommerziellen Rechte an verschiedenen FIFA-Wettbewerben gebündelt werden, darunter die Männer- und Frauen-Weltmeisterschaft sowie die Klub-Weltmeisterschaft.

Die FIFA würde nach eigenen Angaben Mehrheitsgesellschafter des FFE bleiben und weiterhin die Kontrolle über den Spielkalender und alle Fragen des Regelwerks behalten. Zudem sollen alle 211 FIFA-Mitgliedsverbände kleinere Anteile an dem Unternehmen erhalten, die sie entweder behalten oder verkaufen könnten. Diese Pläne haben weltweit Empörung ausgelöst, und auch die UEFA hat bereits entsprechend reagiert.

Max Eberl, Sportvorstand des FC Bayern München, verurteilte die Pläne der FIFA scharf. Er äußerte sich beschämt über die Diskussionen und betonte, dass der Fußball ein Spiel sei, das von der FIFA begleitet und in Regeln gefasst werden sollte, anstatt nur Profit zu machen. Eberl empfindet Ekel angesichts der Vorstellung, dass nur Geld verdient werden soll.

Binder betonte in seinem Brief, dass der Fußballsport zunehmend durch Kommerzialisierung bedroht sei. Er wies darauf hin, dass während Millionen von Menschen in Deutschland Woche für Woche selbst Fußball spielen und ihre Leidenschaft im Stadion ausleben, der Profibereich zunehmend von Profit- und Vermarktungsinteressen dominiert werde. Dies habe Auswirkungen auf alle Bereiche des Fußballs.

Er fügte hinzu, dass der Fußball seine Seele verliere, wenn Werbepausen und Halbzeitshows wichtiger würden als das Spiel selbst. Binder kritisierte Infantino für seinen Beitrag zu dieser Entwicklung und seine „Kungeleien“ mit dem ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump, die dem Fußball einen Bärendienst erwiesen hätten.

Möglicher Boykott und Fristsetzung

Übereinstimmenden Medienberichten zufolge plant die UEFA eine Dringlichkeitssitzung, um über ihre Reaktion auf die Pläne der FIFA zu beraten. Dabei soll auch ein Boykott der Fußball-Weltmeisterschaft diskutiert werden. Eberl begrüßte die Einberufung einer Krisensitzung durch die UEFA, um über einen möglichen Boykott bestimmter Turniere nachzudenken.

Obwohl Eberl sich nicht als Freund von Boykotten, sondern eher von Dialogen bezeichnete, erklärte er, dass er in einer solchen Situation dafür wäre, dass Europa eine starke Haltung einnimmt und sich einer Teilnahme verweigert. Er schloss mit der Aussage, dass sich die aktuelle Situation „echt beschissen anfühlt“.

Nach Informationen eines Magazins geht Infantinos Plan zum Teilverkauf der Fußball-WM deutlich weiter als von der FIFA kommuniziert. Demnach hat Infantino den Nationalverbänden eine Frist gesetzt. Die Kritik an den Plänen ist laut, und die UEFA hat bereits reagiert.

Die Entwicklungen rund um die Kommerzialisierungspläne der FIFA und die Reaktionen darauf zeigen eine wachsende Besorgnis über die Zukunft des Fußballs. Die Forderung nach einem Stadionverbot für Infantino ist ein symbolisches Zeichen, das die Ablehnung dieser Pläne unterstreichen soll. Die FIFA bestätigte am Dienstag, dass sie über die neu zu gründende Tochterfirma FFE Beteiligungen an der Fußball-WM veräußern will.

Source: bild.de

Jonas Keller

Sportredakteur mit Schwerpunkt Fußball und internationale Wettbewerbe.