DFB-Team reist nach WM-Aus ab, Nagelsmanns Zukunft ungewiss

DFB-Team reist nach WM-Aus ab, Nagelsmanns Zukunft ungewiss

Nach dem frühen Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft bei der Fußball-Weltmeisterschaft im Sechzehntelfinale gegen Paraguay hat das Team die Heimreise aus dem WM-Quartier in Winston-Salem angetreten. Die Spieler verlassen das Camp individuell, und eine abschließende Pressekonferenz wurde Medienberichten zufolge abgesagt. Die Aufarbeitung des enttäuschenden Abschneidens hat bereits begonnen.

Die Niederlage gegen Paraguay im Elfmeterschießen mit 3:4, nachdem es nach Verlängerung 1:1 gestanden hatte, führte zu großer Enttäuschung. Im Spiel in Foxborough, südwestlich von Boston, fand die DFB-Elf kein Mittel gegen die defensive Spielweise der Paraguayer. Ein Kopfballtreffer von Jonathan Tah in der Verlängerung wurde wegen Foulspiels aberkannt. Im Elfmeterschießen vergaben Kai Havertz, Nick Woltemade und Jonathan Tah ihre Versuche.

Reaktionen auf das WM-Aus

Die Enttäuschung über das vorzeitige Ausscheiden ist bei den deutschen Nationalspielern groß. Deniz Undav äußerte sich via Instagram: „Wir haben Deutschland enttäuscht. Das sitzt. Mehr gibt es gerade nicht zu sagen.“ Auch Nick Woltemade, der im Sechzehntelfinale in der 88. Minute eingewechselt wurde und bis dahin keinen WM-Einsatz hatte, schrieb auf Instagram: „Ehrlich… dass meine erste WM so zu Ende geht, trifft mich hart.“ Er bedankte sich bei den Fans für die aufbauenden Worte.

Sportschau-Reporter Alexander Schlüter berichtete von einer großen Leere bei den Spielern nach der Niederlage. Er bemerkte, dass nur Joshua Kimmich Wut zeigte, während Tränen, Wut oder Schreien bei den anderen Spielern ausblieben. Bei Bundestrainer Julian Nagelsmann stellte Schlüter eine große Anspannung fest und beschrieb, dass Nagelsmann im Vergleich zu seiner Zeit beim FC Bayern weniger gelächelt und seine Aufgaben eher abgearbeitet habe.

Thomas Hitzlsperger im TV-Studio
Thomas Hitzlsperger im TV-Studio Credit: sportschau.de

Ehemalige Nationalspieler äußerten sich ebenfalls kritisch. Bastian Schweinsteiger monierte das „fehlende fußballerische Element, mangelnde Kreativität und unsauberes Passspiel“. Jürgen Klinsmann bezeichnete die Art und Weise des Ausscheidens als „niederschmetternd, eine Peinlichkeit“ und forderte Konsequenzen. Dietmar Hamann kritisierte die Auftritte als enttäuschend und sah den Trainer in der Verantwortung, die Spieler zusammenzubringen.

Zukunft von Nagelsmann und finanzielle Auswirkungen

Die Zukunft von Bundestrainer Julian Nagelsmann ist nach dem WM-Aus weiterhin offen. DFB-Präsident Bernd Neuendorf erklärte, dass der Verband nach einem derartigen Tiefschlag nicht einfach zur Tagesordnung übergehen könne. Nagelsmann selbst hatte bei MagentaTV und im ZDF geäußert, dass er weiterhin zur Verfügung stehe, wenn man dies wünsche. Er sei bereit und die Enttäuschung sei extrem groß.

Nagelsmann trat die Heimreise am Dienstagabend mit einem Lufthansa-Flug von Charlotte nach München an, begleitet von seiner Frau Lena, seiner Mutter Burgi und Co-Trainer Benjamin Glück. Auch die Spieler Jamal Musiala und Aleksandar Pavlovic befanden sich auf demselben Flug. Manuel Neuer, der seinen erneuten Rücktritt bestätigte, sollte später abreisen.

Das frühe Ausscheiden hat auch finanzielle Auswirkungen für den DFB. Für das Erreichen der ersten K.-o.-Runde erhält der DFB 11 Millionen US-Dollar von der FIFA. Das Achtelfinale hätte vier weitere Millionen Dollar eingebracht, und für das Viertelfinale wären nochmals vier Millionen hinzugekommen. Schon vor dem Turnier hatte DFB-Geschäftsführer Andreas Rettig darauf hingewiesen, dass es für eine europäische Nation ohne Halbfinaleinzug schwer sei, „wirtschaftlich schwarze Zahlen zu schreiben“.

Der DFB hatte bereits durch das Vorrundenaus in den Jahren 2018 und 2022 erhebliche finanzielle Einbußen erlitten. Insgesamt werden bei der WM 2026 871 Millionen US-Dollar an die 48 teilnehmenden Teams ausgeschüttet. Jeder Teilnehmer, einschließlich des DFB, konnte mit 10 Millionen US-Dollar Startgeld und 2,5 Millionen Dollar für Vorbereitungskosten planen. Paraguays Staatspräsident Santiago Peña erklärte den Tag nach dem Sieg über die deutsche Nationalmannschaft zum nationalen Feiertag.

Die deutsche Nationalmannschaft hatte bei der ersten WM mit 48 Teams erstmals seit dem Titelgewinn 2014 die Gruppenphase überstanden. Neben Deutschland schieden auch die Niederlande im Sechzehntelfinale aus, nachdem sie gegen Marokko im Elfmeterschießen mit 2:3 verloren hatten.

Die Spieler der DFB-Elf sollen im Laufe des Tages individuell ihre Heimreise antreten.

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Source: sportschau.de

Jonas Keller

Sportredakteur mit Schwerpunkt Fußball und internationale Wettbewerbe.