Linekers Kritik am DFB-Team
Die deutsche Nationalmannschaft steht vor ihrem ersten K.o.-Spiel bei der WM gegen Paraguay. Vor diesem wichtigen Spiel äußerte die englische Fußballlegende Gary Lineker scharfe Kritik am DFB-Team. In einem Interview mit der französischen „L’Équipe“ bezeichnete Lineker die aktuelle deutsche Mannschaft als eine der schwächsten, die er je gesehen habe. Er wies darauf hin, dass Deutschland bei den letzten beiden Weltmeisterschaften nicht über die Gruppenphase hinausgekommen sei und von seiner Vergangenheit lebe.
Lineker ging sogar so weit zu behaupten, dass Frankreich sich problemlos für das Viertelfinale qualifizieren könne, sollte es zu einem möglichen Achtelfinalduell zwischen Deutschland und Frankreich kommen. Diese Äußerungen sorgten für Aufsehen und wurden auch auf der deutschen Pressekonferenz thematisiert.
Havertz‘ Reaktion und die Stimmung im Team
Kai Havertz, Stürmer des DFB-Teams, reagierte auf die Kritik von Lineker. Auf Nachfrage bei der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Paraguay sagte Havertz, dass jeder seine Meinung haben könne und dass viele Leute bei einem solchen Turnier anfangen würden, über die Mannschaft zu sprechen. Er betonte jedoch, dass dies die Spieler nicht groß interessiere.
Havertz fügte hinzu, dass Deutschland bereits viele Experten im eigenen Land habe und es irgendwann reiche, wenn auch aus anderen Ländern Kritik komme. Er stellte klar, dass es immer einfach sei, von außen auf die Mannschaft einzuschlagen, ihn persönlich dies aber „null“ interessiere. Diese Reaktion unterstreicht die angespannte Atmosphäre rund um die Nationalmannschaft nach der 1:2-Niederlage gegen Ecuador im letzten Gruppenspiel.
Auch Bundestrainer Julian Nagelsmann äußerte sich zu der Kritik, zeigte sich aber nicht aus der Reserve gelockt. Er ließ jedoch durchblicken, dass ihn die Kritik getroffen habe. Nagelsmann betonte, dass er sich inhaltlichen Debatten stelle und Fragen ernst nehme, oft ausführlicher antworte, als er müsste, was manchmal gut für die mediale Debatte, aber schlecht für ihn sei.
Ilkay Gündogan forderte derweil eine „klare Struktur“ und mehr Disziplin von der Mannschaft. Er sieht das Team körperlich im Nachteil gegenüber Paraguay und schlägt spielerische Lösungen vor, um 50:50-Zweikämpfe zu vermeiden. Gündogan betonte die Notwendigkeit einer besseren Positionierung und Abstände der Spieler, um Ballverluste und Abstimmungsfehler zu vermeiden, die zu Chaos führen könnten.
Havertz selbst versprach einen „WM-Startschuss“ mit Jamal Musiala und Florian Wirtz. Er ist überzeugt, dass die Mannschaft mit voller Überzeugung in das Spiel gehen und offensiv erfolgreich sein wird. Havertz räumte ein, dass die drei Offensivspieler ihr volles Potenzial noch nicht ausgeschöpft hätten und sie sich selbst an die Nase fassen würden, um dies zu ändern.
Das Spiel gegen Paraguay und taktische Überlegungen
Das Spiel gegen Paraguay findet um 22:30 Uhr deutscher Zeit statt, eine ungewöhnliche Anstoßzeit. Dies ist eines von nur fünf Spielen dieser WM, das nicht zur vollen Stunde angepfiffen wird. Der Weltverband FIFA gab keine präzise Erklärung für diese Anstoßzeit, verwies aber auf die Notwendigkeit, den Spielplan über mehrere Zeitzonen hinweg für ein globales Fernsehpublikum zu gestalten. In der K.o.-Phase sei zudem ein ausreichender Puffer zwischen den Spielen wichtig, da diese durch Verlängerung und Elfmeterschießen länger dauern könnten. Vor dem deutschen Spiel startet um 19 Uhr die Begegnung zwischen Brasilien und Japan.
Nagelsmann hielt sich vor dem Spiel bedeckt bezüglich möglicher taktischer Änderungen. Es blieb offen, ob es über die absehbare Rückkehr von Nathaniel Brown hinaus weitere Veränderungen in der Startelf geben wird. Er sprach von taktischen Überlegungen, etwas zu verändern, aber auch davon, alles identisch zu lassen. Dies sollte dem paraguayischen Trainer Raum für Spekulationen lassen.
Möglich wäre eine Anpassung der Rolle von Kapitän Joshua Kimmich, um ihn aktiver ins deutsche Spiel einzubinden, eventuell sogar mit einer Umstellung auf eine Dreierkette. Auch ein Einsatz von Leon Goretzka, der für mehr körperliche Präsenz sorgen könnte, wurde in Betracht gezogen. Nagelsmann betonte, dass es darum gehe, die eigene Idee so anzupassen, dass sich die Spieler wohlfühlen und in ihren gewohnten und gefährlichen Räumen agieren können.
Die Mannschaft steht unter großem Druck, da eine Niederlage das sofortige Ausscheiden bedeuten würde. Ein Sieg könnte das von Lineker angesprochene Duell gegen Frankreich ermöglichen, vorausgesetzt, die französische Mannschaft um Kylian Mbappé und Ousmane Dembélé setzt sich am Dienstag gegen Schweden durch. Die beste Antwort auf die Kritik kann das DFB-Team nur auf dem Platz geben, beginnend mit einem überzeugenden Sieg gegen Paraguay.
Ex-Bundesligaprofi Nils Petersen äußerte sich ebenfalls kritisch zur Form der deutschen Mannschaft. Er sieht nur wenige Spieler in guter Verfassung und zu viele, die nicht an ihr Leistungslimit kommen. Trotz des Erreichens des Sechzehntelfinales und des Gruppensiegs herrsche keine große Euphorie. Petersen bemängelte die vielen „Baustellen“ im Team, insbesondere in der Defensive, die er auf mangelnde offensive Durchschlagskraft zurückführt. Er betonte, dass die Gegner mehr Respekt hätten, wenn Spieler wie Wirtz und Musiala sie vor größere Probleme stellen würden, was wiederum die Defensive entlasten könnte.
Der frühere Chefausbilder des DFB, Tobias Haupt, kritisierte die Arbeitsweise des Verbandes und machte sie für die Probleme der Nationalmannschaft mitverantwortlich. Er bemängelte, dass traditionell viel Wert auf Kollektiv und taktisches Verhalten gelegt werde, dies aber heute nicht mehr ausreiche. Haupt sieht weiterhin Probleme auf den Mittelstürmer- und Außenverteidigerpositionen und fordert eine bewusstere Entwicklung junger Spieler, um wieder Superstars hervorzubringen. Er betonte, dass solche Probleme nicht plötzlich in der A-Nationalmannschaft auftauchen, sondern das Ergebnis jahrelanger Fehlentwicklungen seien.
Mehrere Tierorakel haben übrigens auf einen deutschen Sieg gegen Paraguay getippt, darunter der Elefantenbulle Tarak im Kölner Zoo und Aras im Leipziger Zoo. Der Ameisenbär Taio im Allwetterzoo Münster tippte hingegen auf Paraguay, lag aber bei seinen bisherigen Tipps konstant daneben.

Nagelsmann fasste die Situation mit einem englischen Satz zusammen: „Wenn du gewinnst, ist alles perfekt, wenn du verlierst, ist alles shit.“
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Source: bild.de
