Nach der Niederlage der deutschen Nationalmannschaft gegen Ecuador im letzten Gruppenspiel der Fußball-WM 2026 hat DFB-Sportdirektor Rudi Völler versucht, die aufkommende Kritik zu besänftigen. Völler äußerte sich am Samstagvormittag im Auditorium der Wake Forest University in Winston-Salem und betonte, dass er sich auf das Positive konzentriere und die Kritik nicht zu hoch hängen wolle.
Der Sportdirektor, der seit rund drei Jahren in dieser Funktion tätig ist, stärkte Bundestrainer Julian Nagelsmann den Rücken. Er bezeichnete Nagelsmann als eine Art väterliche Figur für den 38-jährigen Trainer und als dessen „verbalen Bodyguard“. Völler, der seine fünfte WM erlebt – zuerst als Spieler, dann als Teamchef und nun als Direktor –, hob hervor, dass er und Nagelsmann eng zusammenarbeiten. Er betonte, dass Nagelsmann ein absoluter Toptrainer sei, der auch mit abweichenden Meinungen umgehen könne.
Völlers Appell an Offensivstars und die Mannschaft
Die Kritik nach dem 1:2 gegen Ecuador betraf unter anderem fehlende Körperlichkeit, umstrittene Spielerwechsel und Probleme in der Offensive. Völler stellte klar, dass die Wechsel, wie beispielsweise die Einwechslung von Pascal Groß, abgesprochen und richtig gewesen seien. Er habe vorab darüber Bescheid gewusst. Er erinnerte daran, dass man „vor zwei, drei Wochen hätten wir alle gut damit leben können, bereits nach zwei Spieltagen Gruppenerster zu sein“.
Besondere Aufmerksamkeit widmete Völler den beiden 23-jährigen Offensivspielern Jamal Musiala und Florian Wirtz. Er forderte von ihnen, dass sie „liefern“ müssten, um die großen Ziele zu erreichen. Obwohl er ihre enorme Entwicklung in den letzten Jahren anerkannte, stellte er fest, dass „da noch ein bisschen Luft nach oben ist“. Völler zeigte sich jedoch optimistisch, dass die beiden Spieler kurz davor stünden, ihr volles Potenzial abzurufen. Musiala hat bereits ein Tor erzielt, während Wirtz noch auf seinen ersten Treffer wartet.

Völler sprach auch über die Bedeutung von Spielern, die „etwas kreieren, die in Dribblings gehen“, um Chancen zu erzeugen. Gleichzeitig warnte er vor unnötigen Ballverlusten, die die größte Gefahr darstellten, und forderte, wenig Konter des Gegners zuzulassen. Er zog ein Fazit der Gruppenphase und lobte die „enorme Leidenschaft und der Kampfgeist“ gegen die Elfenbeinküste, während ihm die „unnötigen Ballverluste“ gegen Ecuador missfielen.
Blick auf das Achtelfinale gegen Paraguay
Am Sonntag reisen Nagelsmann und Völler mit der Mannschaft nach Boston, um sich auf das Achtelfinale vorzubereiten. Das erste K.o.-Spiel für Nagelsmann bei einer WM findet am Montag um 22.30 Uhr gegen Paraguay in Foxborough statt. Völler äußerte sich zuversichtlich: „Der Glaube ist da, dass wir Montag alles rausholen.“ Er betonte, dass die Mannschaft „absolut ans Limit gehen“ und ein richtig gutes Spiel machen müsse, um in die nächste Runde einzuziehen.

Völler warnte davor, den Gegner zu unterschätzen, da Paraguay zwar nicht spektakulär spiele, aber konsequent verteidige und um jeden Meter kämpfe. Die Südamerikaner gewannen ihr Spiel gegen die Türkei mit 1:0. Völler vermied es, sich mit möglichen zukünftigen Szenarien wie einem Achtelfinale gegen Frankreich oder einem Viertelfinale gegen die Niederlande zu beschäftigen, und betonte, dass der Fokus vollständig auf dem Spiel gegen Paraguay liege.
Auch zur Diskussion um Kapitän Joshua Kimmich äußerte sich Völler. Er bezeichnete den Spieler des FC Bayern als „Fahnenträger“ der deutschen Auswahl und lobte sein Engagement. Völler stellte klar, dass er und das Team mit Kimmichs Leistung und seiner Rolle als Kapitän „total zufrieden“ seien. Er betonte, dass Kimmich dort spielen werde, wo es für die Mannschaft am besten sei, und dass er auf seiner aktuellen Position enorm helfe. Völler selbst sieht Kimmich auf beiden Positionen, sowohl als Rechtsverteidiger als auch im zentralen Mittelfeld, als „absolut top“ an.
Völler hat persönliche Erinnerungen an Paraguay, da er als Teamchef der Nationalelf bei der WM 2002 in Japan und Südkorea im Achtelfinale einen 1:0-Sieg gegen die Südamerikaner feierte.
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Source: spiegel.de
