England-Star Jarell Quansah für zwei WM-Spiele gesperrt

England-Star Jarell Quansah für zwei WM-Spiele gesperrt

Der englische Nationalspieler Jarell Quansah wurde vom Weltverband FIFA für zwei Spiele der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 gesperrt. Diese Entscheidung folgt auf eine Rote Karte, die der Defensivspieler im Achtelfinale gegen Mexiko erhielt. Für Trainer Thomas Tuchel bedeutet dies einen Rückschlag, da Quansah nicht nur für das Viertelfinale gegen Norwegen am Samstag ausfällt, sondern auch für ein mögliches Halbfinale.

Quansah sah die Rote Karte nach einem groben Foulspiel gegen Jesús Gallardo, das erst nach Eingriff des Videoschiedsrichters geahndet wurde. Das Foul wurde als so schwerwiegend eingestuft, dass die Sperre zwei Spiele umfasst. Dies bedeutet, dass Quansah frühestens in einem möglichen WM-Endspiel wieder für die englische Mannschaft spielberechtigt wäre.

Kontroverse um Sperren bei der WM 2026

Die Entscheidung der FIFA im Fall Quansah steht im Kontrast zu einer früheren Situation, die für Aufsehen sorgte. Der US-amerikanische Stürmer Folarin Balogun durfte trotz einer Roten Karte im Achtelfinale gegen Belgien spielen, da seine Sperre ausgesetzt wurde. Diese unterschiedliche Behandlung hat international für Diskussionen gesorgt.

Im Fall Balogun hatte die US-Regierung interveniert. Andrew Giuliani, Leiter der WM-Task-Force des Weißen Hauses, verteidigte das Eingreifen der US-Regierung und stellte den Ablauf der Entscheidung anders dar als die FIFA. Giuliani bekräftigte, die US-Regierung habe den Platzverweis von Beginn an als „höchst fragwürdig“ betrachtet. Er verwies auf Ermittlungen zu Spielmanipulationen, in die der brasilianische Schiedsrichter Raphael Claus angeblich verwickelt war, und kritisierte den Einsatz des VAR als regelwidrig.

Andrew Giuliani, Leiter des WM-Task-Force des Weißen Hauses
Andrew Giuliani, Leiter des WM-Task-Force des Weißen Hauses Credit: sportschau.de

Die US-Regierung sah den Fall als eine Frage des „Fair Play“ und betonte, dass man sicherstellen wollte, dass auf dem Spielfeld fair entschieden wird. Giuliani vermittelte den Eindruck, dass der US-Verband maßgeblich an der Anfechtung der Sperre beteiligt war und erfolgreich Einspruch eingelegt hatte. Die offizielle Darstellung der FIFA vom 6. Juli erwähnt jedoch keinen Einspruch des US-Verbandes als Auslöser für die Entscheidung, Baloguns automatische Ein-Spiel-Sperre für ein Jahr zur Bewährung auszusetzen.

Die FIFA hatte ein Disziplinarverfahren gegen Balogun einen Tag nach der Roten Karte eröffnet, die er im Sechzehntelfinale der USA gegen Bosnien-Herzegowina am 1. Juli erhalten hatte. Balogun war in der 64. Minute nach einer VAR-Überprüfung wegen groben Foulspiels vom Platz gestellt worden. Obwohl die USA das Spiel 2:0 gewannen, wäre Balogun durch die automatische Sperre für das Achtelfinale ausgefallen, doch die Sperre wurde nachträglich ausgesetzt.

Politische Einmischung und FIFA-Reaktion

Der Fall Balogun entwickelte sich zu einer politischen Affäre. US-Präsident Donald Trump telefonierte nach dem Spiel mit FIFA-Präsident Gianni Infantino und forderte eine Überprüfung der Roten Karte. Sowohl die FIFA als auch das Weiße Haus betonten, dass dieses Gespräch keinen Einfluss auf die Entscheidung der unabhängigen FIFA-Disziplinarkommission hatte. Dennoch führte der direkte Kontakt zwischen dem Staatsoberhaupt des Gastgeberlandes und dem FIFA-Präsidenten international zu massiver Kritik.

Giuliani kritisierte zudem den VAR-Einsatz im Fall Balogun und behauptete, Zeitlupen seien regelwidrig verwendet worden. Bilder des Spiels belegen jedoch, dass dem Schiedsrichter die Situation sowohl in Zeitlupe als auch in Echtzeit vorgelegt wurde. Auch die Vorwürfe Giulianis gegen Schiedsrichter Raphael Claus, der angeblich in Spielmanipulationsermittlungen verwickelt war, wurden von Giuliani selbst relativiert, da Claus weder beschuldigt noch angeklagt wurde, sondern lediglich als Zeuge gehört wurde. FIFA-Schiedsrichterchef Pierluigi Collina und der brasilianische Verband nahmen Claus in Schutz.

Trotz der unterschiedlichen Darstellungen zwischen der FIFA und Giulianis Version der Ereignisse, bleibt die Sperre für Jarell Quansah bestehen. Der englische Fußballverband FA hatte nach der Roten Karte angekündigt, Einspruch bei der FIFA einzulegen, um die Strafe auszusetzen. Ein Sprecher der englischen Nationalmannschaft erklärte, man prüfe die Optionen hinsichtlich einer möglichen Berufung. Die FIFA entschied jedoch, die Sperre aufrechtzuerhalten und sogar um ein weiteres Spiel zu erweitern, was Trainer Tuchel vor Herausforderungen in der Defensive stellt.

Die Fußball-Weltmeisterschaft findet vom 11. Juni bis zum 19. Juli in den USA, Mexiko und Kanada statt.

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Source: t-online.de

Jonas Keller

Sportredakteur mit Schwerpunkt Fußball und internationale Wettbewerbe.