Tadej Pogacar hat auf der 6. Etappe der Tour de France seine Stärke erneut unter Beweis gestellt. Mit einer beeindruckenden Solofahrt über 42 Kilometer sicherte sich der Slowene den Sieg bei der ersten Bergankunft in Gavarnie-Gèdre und eroberte das Gelbe Trikot zurück. Dieser Erfolg markiert seinen 23. Etappensieg bei der Frankreich-Rundfahrt.
Jonas Vingegaard belegte den zweiten Platz mit einem Rückstand von 2:38 Minuten, während Pogacars Teamkollege Isaac del Toro Dritter wurde. Pogacar hatte bereits am vorletzten Berg, dem Col du Tourmalet, attackiert. Sein UAE-Team bereitete den Angriff vor, und keiner der anderen Klassementfahrer konnte ihm folgen. Auf der Abfahrt und dem Schlussanstieg baute der Slowene seinen Vorsprung kontinuierlich aus.
Entscheidende Attacke und Übernahme der Führung
Die 6. Etappe, die über 186 Kilometer von Pau nach Gavarnie-Gèdre führte, beinhaltete zwei anspruchsvolle Berge: den Col d’Aspin und den Tourmalet. Der Col d’Aspin war die erste Herausforderung des Tages. Ben O’Connor führte zunächst, doch Pogacars UAE-Team beendete seine Flucht 4,8 Kilometer vor der Bergwertung.
Am Tourmalet begann ein Ausscheidungsfahren. Pogacar hatte am Fuße des Anstiegs noch fünf Helfer an seiner Seite, die er nacheinander „verschleißte“. Die Favoritengruppe wurde immer kleiner, und 10 Kilometer vor der Bergwertung musste der damalige Träger des Gelben Trikots, Torstein Traeen, abreißen lassen. Im oberen Drittel des Anstiegs bestand die Favoritengruppe nur noch aus 15 Fahrern.
Die entscheidende Attacke erfolgte 4,9 Kilometer vor der Bergwertung am Tourmalet. Del Toro beschleunigte an der Spitze mit Pogacar am Hinterrad, wodurch schnell eine Lücke entstand. Kurz darauf fiel Del Toro zurück, und Pogacar setzte seine Solofahrt 42 Kilometer vor dem Ziel fort. Vingegaard war der erste Verfolger und startete ebenfalls eine Solofahrt. Florian Lipowitz kam mit einem Rückstand von fast 90 Sekunden auf Pogacar am Tourmalet an, zusammen mit Paul Seixas und Del Toro. Remco Evenepoel folgte einige Sekunden später.
Pogacar fuhr an der Spitze wie in einem Einzelzeitfahren dem Sieg entgegen. Vingegaard verlor zunehmend Zeit, konnte aber die Verfolger hinter sich halten. Pogacar sammelte in den Pyrenäen auch 25 Bergpunkte und übernahm damit das Bergtrikot, wobei Vingegaard auch hier Zweiter ist.
Reaktionen und Auswirkungen auf die Gesamtwertung
Pogacar äußerte sich nach dem Rennen überglücklich: „Es ist ein unglaublicher Sieg und einer meiner schönsten. Das ist sicher.“ Er fügte hinzu, dass dieser Sieg zu den Top 5 seiner besten Etappen gehöre und einer der süßesten sei. Er habe sich schon am Morgen der Etappe „hyped“ gefühlt und gewusst, dass es ein super Tag werden würde. Die Strategie sei gewesen, alles zu geben, ohne an Zeitabstände zu denken.
Im Gesamtklassement führt Pogacar nun mit 2:42 Minuten Vorsprung vor Vingegaard. Florian Lipowitz liegt auf dem siebten Platz, 4:00 Minuten hinter Pogacar, und bleibt damit in Reichweite des dritten Platzes. Lipowitz, der in der ARD zu Wort kam, erklärte, dass am Tourmalet die Beine nicht ganz reichten und man gegen die Performance von Pogacar wenig ausrichten könne. Sein Ziel sei nun der dritte Platz in Paris.
Pogacars Teamchef Mauro Gianetti äußerte sich zu den Auswirkungen auf die Gesamtwertung: „Es wäre schön, wenn die Tour schon entschieden wäre, aber das glaube ich nicht. Es gibt noch viele harte Etappen.“ Er bestätigte jedoch, dass der Plan genau so gewesen sei und es eine beeindruckende Show war. Die 6. Etappe über den Tourmalet sei ein großer Schritt für Pogacar in Richtung eines möglichen fünften Toursieges gewesen, auch wenn die Tour noch lang ist und unvorhergesehene Ereignisse wie Stürze oder Krankheiten eintreten könnten.
Für Torstein Traeen, den bisherigen Träger des Gelben Trikots, endete die Etappe unglücklich. Er verlor 50 Kilometer vor dem Ziel den Kontakt zur Spitzengruppe und stürzte auf der Abfahrt vom Tourmalet. Sein Team Uno-X Mobility gab am Abend bekannt, dass Traeen die Tour aufgrund einer Gehirnerschütterung und mehrerer Rippenbrüche aufgeben muss. Er wird am siebten Teilstück nicht mehr starten. Vor der Etappe hatte Traeen noch 7:53 Minuten Vorsprung auf Pogacar gehabt und erreichte das Ziel mit fast 30 Minuten Rückstand.
Nach den Strapazen in den Pyrenäen steht am Freitag eine Flachetappe nach Bordeaux auf dem Programm, die über 175 Kilometer von Hagetmau nach Bordeaux führt und nur 850 Höhenmeter aufweist.
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Source: sportschau.de
